Wo steuern wir hin?

Liebe Leserin, lieber Leser, bitte anschnallen, denn jetzt gibt’s eine Aben­teuerreise, die möglicherweise etwas gefährlich wird.
Sieht man die Permakultur-Systemblume, muss sich Permakultur auch mit Macht, Recht, Gesetzen und Finanzen/Wirtschaft beschäfti­gen. Sie beeinflussen ein „gutes Leben“ oft in großem Maße.

Beim Symposium „Dorf im Wandel“ (bei der Naturwert-Stiftung in Unterthingau) ging Tobias Sommer intensivst auf die Rechtslage in Deutschland ein. Ich habe selten so einen zi­tat-, paragraphenfesten und klaren Redner erlebt. Ein paar Gedanken aus diesem Vortrag verwebe ich hier mit eigenen, ebenso die Aus­sagen von Ulrich Hoffrage, Mitglied der REWIG-Allgäu und Professor für Wirtschaft in der Schweiz. Bin ich sonst doch immer daran orientiert, das Positive zu beschreiben und Mut zu machen, halte ich es diesmal für notwendig, zunächst einmal Tatsachen zu beschreiben, die ich selbst lange nicht  geglaubt habe. Die Men­schen, die ich mit diesem Artikel erschrecke, bitte ich schon jetzt um Verzeihung, aber gleichzeitig auch, den Artikel bis zum Ende zu lesen.

Kurzer Exkurs:
Zunächst lebten die Menschen meist in klei­nen Gruppen z.B. Clans oder Sippen. Kompli­zierte Gesetze gab es nicht, alles Wichtige wurde untereinander geregelt und alles gehör­te allen bis auf kleine persönliche Gegenstän­de, es war Clan- oder Stammeseigentum. Dann wurden die Menschen mehr und entwi­ckelten Handel und Eigentum und später auch das Geld. Alles wurde differenzierter und kom­plizierter und sie bildeten Staaten.
Eine Staatsform war die Demokratie. Sie sollte das Leben vereinfachen, frei oder sicherer ma­chen und in einer Demokratie sollte der de­mos = das Volk die kratia = Macht haben. Der Staat als Organisation sollte den Menschen dienen und nicht umgekehrt.
Eigentlich ist das wie bei einem Verein. Dort ist das wichtigste Organ die Mitgliederversamm­lung, die einen Vorstand wählt. Dieser setzt ggf. eine Geschäftsführung ein, die ihm unter­geordnet ist.
Der Vorstand ist der Mitgliederversammlung untergeordnet und kann ja auch abgewählt werden.
Merke: Geschäftsführung und Vorstand sind nicht der „Chef“, das sind die Mitglieder als Ganzes.
Wenn es mir dann gar nicht passt, kann ich aus einem Verein austreten.

Deutschland – was ist das?   
Austreten aus dem „Verein Deutschland“ ist schwierig, wenn es sich um den vermeintli­chen Staat BRD handelt.Warum ich hier ver­meintlich schreibe, erkläre ich später.
Die fehlende Wahlfreiheit liegt vielleicht daran, dass uns der Staat zu Bürgern macht, die eben bürgen sollen und so hat ja auch jeder Bürger schon mit seiner Geburt Staats-Schulden (für die er bürgt).
Die BRD Finanzagentur GmbH, siehe: http://www.deutsche-finanzagentur.de/startseite/ verfügt über ein  Stammkapital von 25.564,49 Euro. Damit ist bei allen Rettungsschirmen und Schulden, für die sie zuständig ist, effektiv nicht viel auszu­richten.  Der Staat gibt uns deshalb einen Per­sonalausweis, da wir anscheinend irgend­wessen Personal sind. Eigentlich sollten die Angestellten des Staates doch unsere Ange­stellten sein und nicht umgekehrt ?!
Vielleicht sind wir Angestellte bei den privaten Geldgebern des Staates (und wissen es nur nicht), denn der Staat hat sich ja Geld bei an­deren geliehen. Auch viele Banken gehören jemandem, z.B. die Deutsche Bank einem amerikanischen Hedgefonds und die soge­nannte US-Notenbank, die FED, ist eine priva­te Organisation aus 12 privaten Banken, von denen seit 100 Jahren der amerikanische Staat sein Geld per Gesetz kaufen muss.
Präsident Kennedy wollte das ändern und un­terzeichnete am 4. Juni 1963 ein präsidiales Dokument und zwar die „executive order num­ber 11110“, mit dem er das frühere Dokument „executive order number 10289“ außer Kraft setzte. Dieser präsidiale Beschluss ermächtig­te den Präsidenten der Vereinigten Staaten, die Herstellung von Banknoten wieder in die Gewalt des Staates zurückzubringen!  Er hatte bereits begonnen echte US-Dollar zu drucken. Möglicherweise zufällig lebte er nur noch eini­ge Monate bis zu seiner Ermordung am 22.November. Wer sich eine andere Version vorstellen kann, darf das tun. Seitdem druckt wieder die FED als private Organisation die US-Dollar. Eigenartig und bürgerschädigend. Wie hat die FED das wieder gedreht?

Privat(isierung)
Vieles wurde in den letzten Jahrzehnten priva­tisiert. Privat heißt übersetzt geraubt von lat. privare = rauben. Es wurde also den Bürgern geraubt und an private Firmen verkauft. Beim Wasser soll es auch so werden, beim Saatgut ist es schon zu einem großen Teil so, also bei all unseren Lebensgrundlagen soll es so wer­den. International sind da u.a. der IWF, Welt­bank und WTO und die EU für den Raub zu­ständig oder große Konzerne wie Monsanto, die sogar mit dem amerikanischen Landwirt­schaftsministerium gemeinsam Patente der Gentechnik besitzen.
Privatbesitz, zumindest bei Grund und Boden, ist ja auch letztendlich geraubt, da alle Verträ­ge auf dem ersten Vertrag aufbauen, dem mit der Natur und den gibt es nicht. Es wird nicht legitimer, wenn ich ein paar Käufer vorschalte und dann sage, ich habe es legal gekauft. Die Erde mit allem Grund und Boden gehört zu al­len Lebewesen (nicht nur dem Menschen und einzelnen schon gleich zweimal nicht), keiner sollte Grund besitzen dürfen. Menschen soll­ten ihn nachhaltig nutzen dürfen. Nutzen sie ihn nicht nachhaltig, sollten ihn andere nutzen dürfen. Anhäufen von privatem Grund, der grö­ßer ist, als ich bewirtschaften kann ist ein Unding. So machen alle großen Strukturen die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen ka­putt.
Große krankmachende Strukturen mit Einsatz von Unmengen Antibiotika (anti=ge­gen, bios= Leben, Antibiotika = gegen das Le­ben) und großer Seuchengefahr z.B. in der Landwirtschaft werden vom Staat gefördert. Der sogenannte Verbraucherschutz schützt die Industrie vor dem Verbraucher, denn unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes werden alle unabhängigen und kleinen Struk­turen zerstört, egal ob es um Saatgut geht oder Nahrungsmittelerzeugung, Medizin usw.
Angeblich geht’s dann meist um die soge­nannte Hygiene . Das griechische Wort hygi­eia heißt zu deutsch Gesundheit bzw. es ist die Göttin der Gesundheit. Sterilität bedeutet noch lange nicht Gesundheit. Eine Massen­produktion kann nie Gesundheit ermöglichen, kleinere Einheiten schon.
Eine Massenproduktion erzeugt Seuchen und multiresistente Keime, da die Tiere Schmerz­mittel und Antibiotika bekommen und die Krankheitserreger Resistenzen entwickeln.
Parallel dazu gehen all diese Stoffe in das Trinkwasser vieler Menschen. Was das mit Hygieia zu tun hat, soll mir mal jemand erklä­ren. Verbraucherschutz, Impfpflicht, Schulpflicht nutzt immer entweder den großen Monopolis­ten oder zerstört die Vielfalt und Unabhängig­keit und fördert die Ohn-Macht. Aber der Staat sind doch eigentlich wir. Wollen wir das wirk­lich oder hat sich da was verselbständigt?
Der Schritt unsere Ohn-Macht zu besiegeln folgt dann, wenn wir bei einer Wahl unsere Stimme abgeben und das auch noch in eine Urne. Wer macht denn sowas auch noch frei­willig? Da werde ich richtig traurig. Sprache ist kein Zufall und verräterisch.

Wie soll da was vernünftiges herauskom­men, wenn alles umgedreht ist?
Der Staat dient nicht mehr den Bürgern, son­dern anderen. Wir haben seit dem III.Reich nicht einmal über eine Verfassung abge­stimmt, geschweige denn der Abgabe eines Teils unserer Rechte an die EU durch Helmut Kohl. Wir haben nicht einmal eine gültige Ver­fassung, unser Grundgesetz ist keine Verfas­sung.Dies hat der „Vater des Grundgesetzes“, Carlo Schmid, ganz klar und ausdrücklich in Ton- und Textdokumenten ausgesprochen s. auch in „Der Parlamentarische Rat 1948-1949, Akten und Protokolle“, Band 9, her­ausgegeben vom Deutschen Bundestag und vom Bundesarchiv, Harald Boldt Ver­lag im R. Oldenbourg Verlag, München 1996, Seite 20 ff.
Das Deutsche Reich ist existent in den Gren­zen von 1937.Darauf bzw. dass es die BRD nicht wirklich gibt bzw. die Regierenden nicht die Entscheider sind, haben Theo Waigel, Sig­mar Gabriel, Schäuble, Westerwelle,   Seehofer und andere immer mal hinge­wiesen. Es hat bloß keiner verstanden oder wollte niemand hören, deshalb konnten sie es auch sagen.
1937 wurde von den Alliierten als Zeitpunkt gewählt, nicht von irgendwelchen alten oder neuen deutschen National(Sozial)isten. Die Alliierten sind die Siegermächte und noch immer Besatzungsmächte in Deutschland, da es keinen Friedensvertrag gibt.
Das Grundgesetz ist nicht gültig, genau wie die meisten unser Gesetze und Verordnungen , da es die Bundesrepublik Deutschland als Staat und Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs deshalb auch nicht gibt. Aber auch ohne dies gelten viele andere Gesetze und Verordnungen, wie die Schulanwesenheits­pflicht von 1938 nicht, da sie aus Gesetzen und Verordnungen aus der Zeit des National­sozialistischen Regimes stammen. Diese Ge­setze und Verordnungen sind von den Sieger­mächten verboten worden.
Die Schulanwesenheitspflicht in Staatsschulen sollte dafür sorgen, dass die deutschen Kinder nach 1938 im richtigen Denken erzogen wer­den und gleichgeschaltet werden. Das ist auch jetzt noch in großem Maße so und viele Kritiker des Schulsystems sprechen vom „ge­heimen Lehrplan“ der Schule. So sprechen selbst hochrangige Behördenvertreter hinter vorgehaltener Hand davon, dass es in der Schule um die Vorbereitung der Kinder für die Wirtschaft geht.
Es geht also nicht um ein gutes und gesun­des Heranwachsen unserer Kinder !!!
Vor der Nazi-Diktatur gab es eine große Re­formbewegung, auch eine Reform-Pädagogik mit einiger Vielfalt. Es gibt zwar auch jetzt eini­ge private oder/und reformpädagogische Schulen, aber die Hürden sind sehr hoch und wie ich in Heft 4 berichtet habe, gleicht manchmal das Verhalten der Behörden gegenüber solchen Initiativen einer Hexenvertreibung mit Andro­hung hoher Geldstrafen etc.
Kommen die Eltern der Schulanwesenheits­pflicht nicht nach und wollen gar die Kinder wie in Österreich, USA und vielen anderen Ländern zu Hause unterrichten, kommen zu den hohen Geldstrafen für Lehrer und Eltern, noch Entziehung des Sorgerechts, Einweisung der Kinder in Heime oder zu Pflegefamilien und psychiatrische Behandlung hinzu. All das ist nachzulesen in den Büchern von  Johannes Heimrath: „Tilmann geht nicht zur Schule“ und Anke Caspar-Jürgens: „Lernen ist Leben“ und vielen anderen Quellen. Da Deutschland bei PISA und anderen Studien nie Spitzenreiter war, fragt man sich woher der Staat die Frechheit nimmt, sich derartig totalitär gegen seine Mitglieder zu verhalten, die Wege gehen wollen, wie sie in allen anderen Ländern möglich sind (Schulpflicht gibt es auch in einigen anderen Ländern, Schulanwesenheitspflicht nicht).

„Vater Staat“ hat bei Abtrünnigen eine har­te Hand, aber was ist das für ein schreckli­cher Vater? Der kann nur dem alten Testa­ment entsprungen sein. Er ist ein „eifersüchti­ger Gott Jahwe“, wie er im 5.Buch Mose be­schrieben ist (Dtn 5,6-9).

Wie kann die Verwaltung, die den Men­schen als Gruppe dienen soll , plötzlich Gott spielen?
Wo haben wir die Trennung und korrekte Aus­führung von Legislative, Judicative und Execu­tive?
In unserem Staat haben die Menschen als Gruppe/Staatsbürger wenig Macht. Entschei­dungen werden von irgendwelchen Menschen weit weg getroffen, in Berlin, Brüssel oder gar noch weiter weg. Egal welche Partei ich wähle bei den Bundestagswahlen, ich komme nicht um Jörg Asmussen (SPD) herum. Allein des­sen Arbeit zu verfolgen reicht, um nicht mehr seine „Stimme abzugeben“ und in einer „Urne“ zu begraben.Hier geht der Glauben an eine Demokratie endgültig verloren. Siehe dazu http://sommers-sonntag.de/?p=3425 .
Zunächst ist das ein lustig gemachtes kurzes Video. Wenn man es versteht, ist es gar nicht lustig.

Solange die Kohle(Geld) stimmt ist es mir eigentlich egal?
Das kann man ja so sehen, alles kann man als Einzelner auch nicht ändern. Zunächst mal die Frage, wo kommt denn das Geld her?
85% unseres Geldes wird nicht vom Staat pro­duziert, sondern wird von den normalen Ge­schäftsbanken durch Kredite kreiert. Will ich etwas Größeres kaufen gibt mir die Bank bei guter Bonität (Einkommen und Sicherheiten) evtl. Geld. Sie verfügt allerdings selbst über lä­cherliche Sicherheiten (deutlich weniger als die Kreditnehmer meist haben müssen). Letzt­endlich erschafft sie Geld, das sie selbst nicht ansatzweise hat, per Knopfdruck aus der Luft (Fiat money = es werde Geld). Und sie macht dem Kreditnehmer das Leben schwer, wenn er für das vorher gar nicht   existierende Geld, das die Bank aus dem Nichts erschaffen hat, nicht Tilgung und Zins leistet.
Per Knopfdruck haben auch die Zentralbanken bei der Krise 2008 ca. 1,5 Billionen Euro „er­schaffen“, ohne jegliche Deckung. Allein die Europäische Zentralbank hatte 425 Milliarden Euro den europäischen Banken gegeben. Die mussten nur sagen, wieviel sie wollen und be­kamen es praktisch fast geschenkt. Praktisch gesehen wurden 1,5 Billionen aus Luft erzeugt ohne etwas dahinter und die Banken in den einzelnen Ländern haben die Luft noch ver­vielfacht (Alles nachzulesen im Artikel „Als das Geld vom Himmel fiel“ aus der „Zeit“ vom 14.1.2010).
Wie können wir gegensteuern?
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit unseren Gedanken unsere eigene Realität bzw. Materialisation erschaffen. Ähnliches sa­gen Vertreter der Quantenphysik wie Hans-Peter Dürr, Träger des Alternativen Nobelpreis und Schü­ler des Nobelpreisträger Werner Heisenberg auch.
Gedanken, Gebete oder Ähnliches, manchmal auch Proteste von vielen Menschen können viel bewirken.
Ansonsten können wir nur dem System das Futter entziehen und das sind Konsum, Steu­ern, Arbeiten fürs System. Wir können Abhän­gigkeiten gering halten, regionale Selbstver­sorgung aufbauen, uns zusammenschließen und Menschen und Organisationen unterstüt­zen, die am Umbau des Systems arbeiten.
Steuerndes Grundeinkommen
Ganz allgemein plädiere ich für die diversen Formen des Schenkens. Und ganz konkret für die Erzeugung eines „steuernden Grundeinkommens“ für die Menschen, die sich unbezahlt in hohem Maße für den Umbau der Region bzw. des Staates einsetzen. Für dieses Heft haben auch wieder viele Menschen viele Tage unbezahlt und teil­weise verbunden mit Ausgaben gewirkt.
Überleg Dir, ob Du irgendwo Überfluss hast und teile ihn mit jemand, der sich für den Umbau einsetzt!!

  • Lad ihn zu einem Essen ein, wenn Du ein Restaurant hast, schenk ihm Kleidung wenn Du ein Kleidungsgeschäft oder andere gute Kleidung hast.
  • Stell ihm Deine Ferienwohnung zur Verfügung, wenn Du eine hast.
  • Massier ihn, wenn Du massieren kannst.
  • Gib ihm Holz, wenn Du ein Sägewerk hast oder eine Zimmerei oder Schreinerei.
  • Schenk ihm Pflanzen oder Nahrung, wenn sie Qualität haben
  • Und wenn Du das alles nicht hast, gib ihm Zeit, Geld, Wissen, Arbeitskraft oder was Dei­ner Phantasie einfällt.
  • Vor allem aber schenke es ohne eine Gegen­leistung zu erwarten, sonst ist es ein Geschäft.

Ich danke in diesem Zusammenhang Gerlinde Schratt (und ihrem Sohn) in Steibis, die die Redaktion von „Nachhaltiges Allgäu“ zu einem wunderbaren Essen an meinem Geburtstag in ihrem „Bio-und Kräuterhotel Schratt“ eingela­den hat, siehe: http://biohotel-schratt.de/index.php?site=zimmer.htm
Willst Du Dich mit Geschenken am Umbau be­teiligen und hast keine konkreten Menschen, die Du bedanken/beschenken kannst, wende Dich an die „Solidargemeinschaft für Schen­ken, Leihen und Schöpfen“
(www.sg-schenken.de), die versuchen wird, die Ge­schenke zuzuweisen.
Die Solidargemeinschaft ist ein ideelles Pro­jekt des „Forschungsinstituts für Permakultur und Transition“ und wirkt unter dem Dach des „PIA Förderverein für nachhaltiges Wirtschaf­ten Allgäu e.V.“, d.Herausgeber dieses Hef­tes,
Jochen Koller, Kontakt

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2 Antworten auf Wo steuern wir hin?

  1. Herzlichen Dank für die gut aufbereiteten Informationen!

  2. basti sagt:

    Der Beitrag »Wo steuern wir hin?« aus »Nachhaltiges Allgäu« Nr. 6 schien mir tatsächlich wie der Autor Jochen Koller versprochen hat, ziemlich abenteuerlich. An manchen Punkten stimme ich ihm aber zu.
    von Sebastian Lipp

    Deutschland?
    Daraus, dass in Deutschland nach dem 3. Reich nicht über eine Verfas­sung abgestimmt wurde, leitet Koller ab, dass es dieses gar nicht gibt. Su­per, dann haben wir uns ja auch gleich – schwupp – so einiger weiterer Staaten entledigt. Deutschlands übri­gens gänzlich. Damit wäre auch das Deutsche Reich, dessen Fortexistenz er behauptet, durch Kollers eigene Argumentation zu Grabe getragen. Weiter wird geschildert, die meisten Gesetze der BRD seien ungültig. Tat­sächlich? Gesetze gelten faktisch dann, wenn sie durchsetzbar sind. Deutschland ist in der Hinsicht recht potent, hätten sie formal keine Gül­tigkeit, kümmerte das recht wenig. Auch, wenn Deutschland ausschließ­lich (was sich nicht schon daraus er­gibt, dass überhaupt eine eingetra­gen ist) als GmbH organisiert wäre. Warum sich das »Personal« im Aus­weis auf einen Angestelltenstatus un­sererseits gegenüber Deutschland beziehen soll und wie sich das real auswirken soll, die Antwort bleibt der Autor schuldig. Auch die Behauptung, dass die Sieger- nach wie vor Besat­zungsmächte seien, weil es keinen Friedensvertrag gäbe ist unzutref­fend. Die 2plus4-Verträge, in denen die vormaligen Besatzer ihre Privilegi­en abgeben, stellen genau das dar.

    Privatisierung

    Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen ‚Dies gehört mir‘ und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigent­liche Begründer der bürgerli­chen Gesellschaft. Wie viele Ver­brechen, Kriege, Morde, wieviel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart ge­blieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mit­menschen zugerufen hätte: ‚Hü­tet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde nie­mandem gehört‘.

    Dem zweiten Teil Jean-Jacques Rous­seau’s Aussage würde ich hier genau wie dem Autor des kritisierten Arti­kels in dieser Hinsicht zustimmen. Den ersten Teil halte ich aber analog zu dem Exkurs zur Menschheitsge­schichte in jenem Artikel für unzurei­chend. Genausowenig wie Eigentum einfach »entwickelt« wurde, wie Kol­ler es darstellt, wurde es einfach pro­klamiert und aus Einfältigkeit ge­glaubt, wie Rousseau hier suggeriert.
    Kollers Herleitung über den Raub fin­de ich da schon adäquater. Die »Ein­hegung der Commons« – der Prozess der Verwertbarmachung von ur­sprünglich als Gemeingut behandel­ter Ressourcen – war tatsächlich ein äußerst blutiger Prozess. Bis heute werden immer mehr Bereiche unse­res Lebens warenförmig vermittelt. Im Artikel wurden Saatgut und Was­ser genannt. Hier wird also nach wie vor über Leichen gegangen.

    Solange die Kohle stimmt…
    Allerdings sind daran nicht wie im letzten Nachhaltigen Allgäu darge­stellt, IWF, Weltbank, WTO, EU, Monsanto oder – allgemeiner – große Konzerne schuld. Deren Verhalten ist vielmehr Folge struktureller Sach­zwänge. Wo es durch die gesell­schaftlichen Bedingungen rational ist, die eigenen Handlungen danach aus­zurichten, wie aus Geld mehr Geld gemacht werden kann, ist auch nicht verwunderlich, dass sich Menschen entsprechend verhalten und Organi­sationen entstehen, die dem entspre­chen.
    Da hilft es auch nicht wirklich, nicht nachhaltig weiter, große Konzerne zu zerschlagen, zu verstaatlichen oder zu regulieren. Das Grundproblem die­ser Ausrichtung muss angegangen werden. Solange sich das Geschehen nicht nach konkreten Bedürfnissen konkreter Menschen richtet, ist es kein Wunder, dass es genau diesen zuwiderläuft.

    Wie können wir gegensteuern?

    Ansonsten können wir nur dem System das Futter entziehen und das sind Konsum, Steuern, Arbeiten fürs System. Wir kön­nen Abhängigkeiten gering hal­ten, regionale Selbstversorgung aufbauen, uns zusammenschlie­ßen und Menschen und Organi­sationen unterstützen, die am Umbau des Systems arbeiten.

    Hier stimme ich voll zu, solches sind erste Schritte. Allerdings dürfen die Aktivitäten nicht beliebig sein – nicht jeder Versuch, das Bestehende zu verändern oder mit ihm zu brechen, sind als solche schon »gut« – sie müs­sen sich daran messen lassen, ob sie tatsächlich geeignet sind, das zu tun und was dabei herauskäme. Wenn die Antwort unzureichend ist, sind sie zu verwerfen. Ansonsten binden sie bestenfalls Energie.
    Auch, dass im September wieder massenweise Menschen ihre Stimme abgeben, sehe ich genauso. Statt dessen sollten sie ihre Stimme erhe­ben und sich aktiv in die Bedingun­gen, die ihr Leben bestimmen einmi­schen.
    Den Vorschlag mit dem Schenken fin­de ich auch einen sehr sympathi­schen. Ich finde sogar, dass Schen­ken kein isolierter Akt sein sollte. Ich schlage als gesellschaftliche Utopie eine Welt vor, in der alles für alle da ist und diese je nach ihren Bedürfnis­sen und Fähigkeiten teilhaben und beitragen. Was bleibt ist, sich darüber zu verständigen, wie das gehen kann, wie wir da hin kommen und vor al­lem: sich in Bewegung zu versetzen. Denn – um es in den Worten des me­xikanischen indigenen Widerstands auszudrücken: Fragend schreiten wir voran…

    Weiterlesen!
    http://emafrie.de/every-bank-is-a-bad-bank/

    Weiterdenken!
    Im November Veranstaltungen zum Thema »Macht macht Umwelt kaputt« im react!OR

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