Wie eine Pflanze Heilkraft erringt – die Kamille

Ihr Lebenszyklus ist mit einem Merkurumlauf beendet. Das sind 88 Tage und wird im Verlauf der Untersuchung noch bedeutend.
Meist überwintert die Kamille in einem winzig-kleinen Keimling. Die Blätter sind dabei nicht rundlich ausgebreitet wie bei ganz vielen anderen Pflanzen, sondern sie sind schlauchartig gerollt mit Wasser angefüllt, ja, fast sukkulent. So, diesem Element hingegeben, beginnt ihr kurzer Lebenslauf in der Sphäre des Mondes, der überall dort zur Wirksamkeit kommt, wo Wasser vorhanden ist.
Aus diesen angefüllten Keimblättern sprosst im zeitigen Frühjahr ein runder fast durchsichtiger erster Stängel. Schon jetzt vergilben die Keimblätter, aus deren Mitte inzwischen weitere Stängel sprießen.
Außerordentlich schnell, ja stürmisch geht der Spross nun auf. An den unteren Stängelknoten bilden sich erste echte Laubblätter, den ersten ähnelnd, jedoch mehr luftiger, durchsichtiger: Fiederartig entstehen aus einer schlauchartigen Mittelrippe ebenfalls runde Laubblätter, kleinen Röhrchen gleich. Nach dem Knoten ein weiteres Stängelstück nicht dem ersten in der Richtung folgend ergreift neuen Raum. Willkürlich folgen in Richtung und Länge die weiteren.
Schon jetzt wird es deutlich. Diese Pflanze sucht ihre Mondhaftigkeit aufzugeben.
Schließlich steht innerhalb weniger Wochen ein etwa ellenhoher buschiger, zwar geschlossener Organismus vor uns, der an den Enden sich nach außen öffnet, einer umgekehrten Glocke gleich. Innerhalb dieser „Glocke“ ist jedoch ein lichtes, völlig chaotisches, Hin- und Her- Wachsen entstanden. Was für ein Feuerwesen ist da tätig: die eigene Form versprühend.
Das hat bereits hunderte kleine Knospen getrieben, manchmal endständig, manchmal irgendwo an einem Knoten- erster oder zweiter oder dritter Ordnung.
Gelbe Käppchen bilden sich aus einem stark umklammernden Kelch. Jetzt erst recht: bildet das Käppchen einen inneren Hohlraum umkreist von weißen Zungenblättchen. Die bilden wiederum keine Einheit: mal stehen sie abwärts oder ein paar aufwärts oder waagerecht, nur nicht einheitlich, wie zum Beispiel beim verwandten Gänseblümchen.
Ist es vielleicht kein Kampf, so doch eine Überwindung der anfangs bestimmenden Kräfte, die dieses Pflänzchen leistet. Dabei jedoch erwirbt sie sich ihre wohltuende Heilkraft, die sich in einem Stoffe niederschlägt im Blütenboden, das heilwirksame Azulen.
Es ist in der ganzen Anfangsphase der Entwicklung nicht nachweisbar.
Nun gibt es innerhalb aller höheren Organismen, respektive Säugern, eine physiologische Erscheinung, die zwar im wässrigen vorliegt, jedoch bei entzündlichen Vorgängen sofort eine Abkapselung und damit, mit Hilfe des Blutes, eine Heilung einleitet. Wir kennen dieses Phänomen als Lymphe. Sie ist überall und nirgendwo, kennt keine feste Adern und ist somit überall sofort zur Stelle, wenn´s „brennt“, im Organismus.
Das tut es ja vornehmlich bei uns im Bauchraum, bei der Verdauung. Und gerade da wirkt unser so wertvolles Blümchen reine Wunder. Wir machen uns nochmals deutlich: aus dem Wässrigen entringt sich die Kamille ins Luftige. Gibt ihr Hingezogen sein zum Wasser auf zugunsten der Luft. Das ist die wunderbare Leistung dieses wohlduftenden Heilkrautes. Jahrtausende haben sich die Menschen dieser Heilkraft bedient. Wir könnten es auch so formulieren: Aus der Mondensphäre in die Sphäre des Merkur.Der Merkurius ist ja der Gott der Lüfte bei den alten Griechen, mal da mal dort, der Gott auch der fahrenden Händler, sogar der Diebe, die sich schnell in Luft auflösen müssen, wollen sie nicht erwischt werden. Merkur ist überall und nirgendwo. Erinnert uns das nicht an das Kamillen-Wesen? Rudolf Steiner empfiehlt nun gerade diese Blütenköpfchen der echten Kamille in die Därme solcher Wesen zu stecken, die „Spezialisten des Bauchraumes“ sind – die Rinder respektive die Kühe. Deren Dünndarm wird gefüllt und ge-
stopft mit solchen Blüten. Es entstehen „Kamillenwürste“. Diese werden im Herbst in den Verdauungsbereich der Erde, also nicht allzu tief an solchen Stellen vergraben, wo licht- und luftdurchdrungenes Wasser, also Schnee, so lange wie möglich liegen bleibt. Was passiert da mit der Kamille?
Sie wird in ihrer ortsgebundenen natürlichen Wirksamkeit als in der Erde verwurzelte Pflanze übersteigert. Sie wird aus ihrer Gestalt sozusagen befreit. Sie wird weithin wirksam, steht nun innerhalb einer Landwirtschaft All – umfassend zur Verfügung.
So geben wir sie, bzw. ihre kosmische Wirksamkeit dem Verdauungsorgan Kompost bei, wo sie jetzt ihre wunderbare Heilkraft ausstrahlen kann.
Wer das Ganze hier Beschriebene jetzt empfinden kann steht am Tor solcher Einsichten, die landwirtschaftliches Getue in all den schrecklichen Ausartungen, wie wir es heute kennen, ad absurdum führen. Eine grundstürzend andere Landwirtschaft stellt Rudolf Steiner vor uns hin, er fordert von uns eine neue Landbaukunst.

Wenn der werte Leser solche Betrachtungen interessant findet, soll in der nächsten Ausgabe eine weitere Pflanze betrachtet werden. Wir wollen uns dann einmal den Baldrian anschauen. Vielen Dank für ihr Interesse.

Bernhard Hummel vom Hummelhof

Über g-4460-1

Permakulturgärtner, Blogautor, Sozialarbeiter und Webdesigner
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