Waldkindergarten im Bannwald von Ottobeuren

In einem Kreis, um eine Kerze, sitzen die Kinder des Waldkindergartens im Bannwald von Ottobeuren. Hier treffen sie sich jeden Morgen, um sich in die Augen zu schauen und sich bei den Händen zu nehmen und um sich und Mut­ter Erde zu begrüßen.

Geprägt ist der Morgenkreis von Singen, Erzählungen und den Aufgaben für den jeweili­gen Tag. Begleitet wird der Tag in der Zeit von 8:30 Uhr bis 12:30 Uhr durch Heike Entrup. Sie ist die Lei­terin des Waldkindergartens.

„Wir fangen jetzt an, wir gehören zusammen, das sieht man uns an!“ ertönt es unter der Bu­che. Ja, sie gehören zusammen! Der morgend­liche Ritus hat die Drei- bis Sechsjährigen zusammengebracht. Der Alltag liegt weiter unten, hinter den Bäumen und Sträuchern, weit ent­fernt von den Pfützen und Bachläufen. Die bunte Schar ist ausgerüstet mit Wander- und Gummis­tiefeln, einer Kleidung, die jedem Wetter stand­hält. Den Gesichtern sieht man an, daß sie sich voller Eifer in die Arbeit und ins Spiel finden!

In Sichtweite der Erzieher finden sich Grüppchen zusammen. Das Gelände wird immer wie­der in neuen Rollen erkundet, mal als Tiger, mal als Entde­cker, oder auch als Forstarbeiter, von denen sie schon viel gelernt haben. Eifrig wird Feuerholz gesägt, an kalten Tagen das Lagerfeuer ange­schürt.

Nicht jeder Tag wird bei der Waldhütte verbracht. Ein kleines Bachlaufsystem bringt an heißen Tagen im Wald die nötige Abkühlung. Hier wird nach Herzenslust gebazelt und ge­schmoddert. Bis zu den Knien und den Schul­tern stehen die kleinen Bäcker, Cafébesitzer, Staudammbauer und Goldsucher im Wasser und begreifen und formen ihre Welt.
An anderen Tagen gehen die Kinder an von ihnen ei­gens benannte Plätze, wie das Paradies oder den Kletterbaum. Und ganz besonders aufre­gend wird es, wenn Wanderungen an die Günz oder ein Ausflug in die Bücherei oder in eine Mühle oder einfach Plätzchenbacken auf dem Plan ste­hen.

Im Wald erschallt jeden Tag gegen 10 Uhr das gleiche „Kuck-Kuck“: Zeit für die Brotzeit! Je nach Wetterlage sitzen sie in gemütlicher Runde unter den Bäumen oder am knisternden Feuer in der Waldhütte.

Die renovierte Hütte aus Naturmaterialien steht im ehemaligen Pflanzgarten des Forstes. Sie bie­tet Geborgenheit für bis zu zwanzig Kinder und zwei Erzieherinnen. Im Winter ist sie Höhle für die kleine Schar, im Sommer Zuflucht bei Platz­regen und Unterstellplatz für alles Nützliche.Heute werden die Füße am Lehmofen in der Schutzhütte gewärmt. Auf dem großen Schaf­wollteppich werden die Rucksäcke mit den schönsten Köstlichkeiten ausgepackt. Die El­tern gehen mit dem naturnahen Konzept kon­form und packen ihren Knirpsen regionale und nachhaltige Kost in die Brotdosen. Es werden selber gebackene Brötchen gegen rotbackige Äpfel getauscht, Kennerblicke dem Bergkäse­stückchen zugeworfen. Der erste Hunger ist gestillt und lauschige Ge­spräche entstehen. Zeit für Gemeinsamkeit. Mit gesättigtem Bauch werden kreative Projekte in Angriff genommen. Heikes Ideenreichtum und der ihrer Kolleginnen Pamela, Stefanie und Benaida kennt keine Grenzen. Egal ob Fil­zen, Kerzen ziehen, basteln mit Naturmateriali­en, Mobile bauen, elementare Wesen des Waldes wie Frau Holle besuchen, oder das intensive Spiel der Grimmschen Mär­chen.

Leider gibt das Zwölf-Uhr-Läuten der Basilika immer das Zeichen zum Aufbruch.
Ach könnten wir nicht …, wir müssen doch noch … – der Vormittag war, wie jeder Vormittag im Wald, viel zu schnell vorbei. Zum Glück gibt es seit September 2013 auch die Möglich­keit, am Nachmittag den Waldkindergarten zu besuchen, egal ob als Schulkind zum Hausauf­gabenmachen oder als Kindergartenkind.

Auch heute wartet noch der rauschende Weg von der Waldhütte hinunter zum Treffpunkt. Es ist eine Bergabfahrt in rasendem Tempo. Denn es geht dauernd abwärts. Die kleinen Füßchen stoppen immer wieder an beliebten Haltepunkten. Da ist der steile Berg, den man gekonnt hinaufklettern kann und auf dem Popo wieder hinunterrutschen kann. Da kommt der große Baumstumpf, ideal zum hüpfen. Da kommt die feine „Volksbank“, die allen müden Beinchen Ruhe gönnt. Und fast am Treffpunkt empfängt uns der Dickichte Wald, ideal zum Verstecken.

Die Mütter und Väter hören die Waldkinder den Berg schon hinunterrauschen, und die letzten dreißig Meter – in Sichtweite – emp­fängt die Wartenden das Wiedersehensgejauchze.

Ein Vormittag im Wald neigt sich dem Ende zu, aber die Woche ist noch lang, wir können noch viel spielen, fühlen, horchen, sehen und erschaf­fen.

Wer mehr zum Waldkindergarten Ottobeuren erfahren möchte kann sich an Schnupper-Vormittagen und immer wieder schönen Waldfamilien-Nachmittagen (Freitag, 13. 12. 13, 14:00 bis 16:00 Uhr) ein lebendi­ges Bild machen.

Bei Fragen und für Besuche kontaktieren Sie bitte die Leiterin
Heike Entrup Waldtelefon O152 338O7643.

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