SoLaWi-Gärtnerei „Sonnenwurzel“ in Reichling

Besuch von Allgäuer Permakulturisten am So. 27.07.2014

Die Gärtnerei Sonnenwurzel in Reichling ist der erste Betrieb, der im Kreis Schongau-Weilheim auf Solidarische Landwirtschaft setzt. Eine Gruppe von Verbrauchern hat dem Kleinbetrieb für einige Zeit verbindlich ihre Treue und Unterstützung zugesagt und mindert so das unternehmerische Risiko des Gärtners. Dafür bekommen die neu gebackenen „MitlandwirtInnen“ regel-mäßig ihren Anteil an garantiert nach-haltig angebautem und frisch geerntetem Biogemüse aus der Region vom Gärtner ihres Vertrauens.

Gärtnermeister Marcel Nussberger arbeitet im Sommer doppelt so viel wie die meisten anderen Menschen und ist trotzdem in seinem Beruf glücklich. Wenn er von seiner Arbeit erzählt, leuchten seine Augen und er wirkt trotz einer 70-80-stündigen Arbeitswoche noch voller Begeisterung und Energie. Marcel ist Gärtner aus Leidenschaft, er lebt mit der Natur, in ihren Kreisläufen und er erzeugt Lebensmittel, die diesen Namen verdienen, für Verbraucher, die er persönlich kennt. Dass dem so ist, verdankt er dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft – einer engen Kooperation von Verbrauchern und Produzenten, bei der sich alle Beteiligten die landwirtschaftlichen und betrieblichen Risiken teilen.

Die natürlichen Gegebenheiten, in denen Marcel und seine Frau Nuray in Reichling (ca.20 km südlich von Landsberg) werken, sind für den Erwerbsgemüseanbau nicht einfach. Ihr Gelände liegt auf über 700 Metern Höhe, hier ist das Klima – typisch für das Voralpenland – noch recht rauh und die Temperaturen oft stark schwankend. Die Böden sind schwere Lehmböden, die viel Aufbauarbeit erfordern. Das Geheimnis wie die beiden mit diesen ungünstigen Bedingungen dennoch gut zurecht kommen, heißt Permakultur. „Wir versuchen in unserer Gärtnerei mit der Natur zu arbeiten, statt gegen sie, natürliche Kreisläufe zur verstehen, zu nützen und intelligent naturnah zu wirtschaften. Dazu gehört beispielsweise, dass wir fast alle unsere Jungpflanzen möglichst aus eigenem Saatgut selber ziehen, um so mit Pflanzen zu arbeiten, die an unseren besonderen Standort gut angepasst sind.“ Beikräuter sind für die Permakultur-Gärtner keine Unkräuter, sondern wichtige Partner, die helfen, den Boden zu verbessern und die die natürliche Vielfalt bereichern.

solawi_sonnenwurzel_reichlingNichtbiologische Pflanzenschutzmittel sind selbstverständlich tabu, aber auch mit biologischem Dünger geht Marcel Nussberger sparsam um. „Es mangelt uns glücklicherweise nicht an Platz, deshalb können wir etwas großzügiger pflanzen und brauchen nicht auf kleinsten Flächen maximale Erträge erwirtschaften. Wir müssen nicht die letzte Kraft aus dem Boden zu ziehen, sondern arbeiten vor allem mit günstigen Mischkulturen und viel Gründüngung.“ So wird etwa in den Gewächshäusern jeder Grünabfall gleich neben den Beeten als Wegdeckung genutzt und dabei nebenbei kompostiert, Mist und Schafwolle, die sich auch als Dünger eignet, bekommt der Gärtner von benachbarten Hobby-Tierhaltern. Viele Schädlingsprobleme treten in Mischkulturen weniger auf, so seine Erfahrung. Etwa 75 verschiedene Gemüsesorten werden in der Gärtnerei Sonnenwurzel angebaut. Dazu kommen noch zahlreiche essbare Wildkräuter, die das Angebot ergänzen. „Vielfalt ist unser Prinzip“, sagt Marcel Nussberger, denn wie in der Natur gelte auch im Permakulturgarten: Artenreiche Systeme sind stabiler und weniger anfällig. Selbst Schnecken schrecken ihn daher kaum. Er sieht sie als wichtige Aufräumer. „Es könnten aber ein paar weniger sein“. Dafür sind die Laufenten Tarzan und Gandalf mit ihrer Crew zuständig. Im Gewächshaus kommen ne-ben Pflanzenjauchen manchmal auch zugekaufte Nützlinge als Helfer zum Einsatz. Der Maschinenpark der Gärtnerei Sonnenwurzel ist klein und überschaubar. Die meiste Arbeit ist reine Handarbeit. Kann man so wirtschaftlich über die Runden kommen? Wenn die kleine Gärtnerei allein den üblichen Marktgesetzen ausgesetzt wäre, wäre dies dies schwierig. Der Betrieb ist darauf angewiesen, dass die Ernte weitgehend vollständig verkauft wird und kaum etwas fortgeworfen werden muss. Ohne feste Abnehmer wäre dieses Ziel schwer zu erreichen. Zumal die Zeit, die die Gärtner für die Vermarktung brauchen, ihnen dann schmerzlich auf dem Feld fehlt. So wird der Gang auf Wochenmärkte immer wieder zu einem Glücksspiel mit unsicherem Ausgang. Das Wochenmarkt-Geschäft ist für uns einfach zu schlecht planbar.“

Für kleine Gärtnereien wie die Sonnenwurzel sind daher feste Abnahmevereinbarungen nach dem Muster der solidarischen Landwirtschaft eine wesentliche und fast lebensnotwendige Voraussetzung, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Derzeit beliefern die Nussbergers wöchentlich 70 Ernteanteile an vier Depots in Diessen, Greifenberg, Weilheim und Schongau aus. Da ist noch etwas Luft nach oben: „Unser Ziel ist, möglichst bald auf 100 Anteile aufzustocken. Und dazu müssen wir noch etwas bekannter werden“, meint der Chef. Um seinen Betrieb zufriedenstellend umzutreiben, veranschlagt Marcel Nussberger ein Jahresbudget von etwa 65.000 €. Die SoLaWi-Anteilseigner zahlen im Moment monatlich je nach persönlichen Möglichkeiten zwischen 38,50 und 47,50 Euro. Auch als Helfer auf dem Feld sind alle Mitgärtner jederzeit willkommen, doch dafür findet nur ein kleiner Teil von ihnen hin und wieder Zeit. Langfristig hofft Marcel Nussberger insbesondere auf Unterstützung im Bereich Organisation und Koordination, denn für solche Aufgaben bleibt die Gärtnerfamilie nach ihren langen anstrengenden Arbeitstagen kaum Zeit und Energie. Auch bei der Verteilung der Lebensmittel in den Depots ist von den MitgärtnerInnen Eigeninitiative gefragt. Auf einem Zettel notiert Marcel bei jeder Lieferung, wie viel in etwa an diesem Tag einem Ernteanteil entspricht. Dass das Gemüse jedoch auch tatsächlich gerecht verteilt wird, ist Sache der Gruppe vor Ort. Probleme, die alle angehen, werden bei Treffen am Hof gemeinsam besprochen und gelöst. So übernehmen die Mitgärtnerinnen auch ganz konkret unternehmerische und soziale Mitverantwortung.

Ina Schicker

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Eine Antwort auf SoLaWi-Gärtnerei „Sonnenwurzel“ in Reichling

  1. Gründobler walter sagt:

    Finde ich gut
    Habs mi angeschaut!

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