Projektvorstellung „SoLaWi Wild-Hof“ Bad Waldsee

Sich die Ernte teilen“    Interview mit Antje Stöckle

Hallo Antje, wir haben Euch ja am 28.06.2014 auf der Tages­fahrt der „Per­makulturfreunde Allgäu“ be-sucht und waren sehr beeindruckt, wie viel in so kurzer Zeit gewachsen ist: 

Of­fiziell gest­artet habt Ihr  Anfang März 2014. Wie kam es zu der Idee?

Es gab einen Vortrag von Sonja Hummel über Solidarische Landwirtschaft in Bad Wurz­ach. Da­mals arbeitete ich bei dem Bio­milchbauer Josef Wild als landwirt­schaftliche Hilfskraft. Wir hör­ten beide den Vor­trag und fanden die Idee gut. Josef er­klärte sich bereit, 0,25 Hektar Land zur Verfü­gung zu stellen. Es gibt Untersuchungen, dass 1 Hektar Land 80(!) Personen ernähren kann. Wir wollten mit einer überschaubaren Gruppe starten. Das Projekt läuft als Hof-Ein­zelunternehmen weiter.

Was waren deine persönlichen Beweggrün­de?

Ich wollte mit meiner Arbeit etwas für den Bo­den tun. In der intensiven Landwirtschaft wird der Boden verdichtet und verliert an Lebendigk­eit, außerdem produzieren viele Land­wirte nicht mehr Lebensmittel, sondern für die Biogasanlagen.

Mir ist die Regionalität wichtig, dass beim Le­bensmittelanbau die Transportwege gering sind und keine Verpackungen anfallen.

Zudem brauchte ich neben meiner Teilzeitstelle bei Josef einen weiteren Job. Im Vorjahr hatte ich in einer Biogärtnerei gearbeitet, leider musste diese schließen.

Was habt ihr gemacht um Beteiligte zu fin­den?

Genau, wir sprechen von Beteiligten, nicht von Mitgliedern, wir sind ja keine Genossenschaft. Eine SoLawi kann unterschiedliche (juris­tische) Formen haben.

Sonja ließ nach ihrem Vortrag eine Liste für In­teressierte herumgehen. Daraufhin kam das erste Treffen zustande.

Ich selber habe einen Vortrag beim Tauschring gehalten, Sonja hat mir dafür Material zur Ver­fügung gestellt.

Es gab auch eine Anzeige im Amtsblatt. Viel Mundpropaganda. Und als das ganze startete, einen Zeitungsartikel von einem Beteiligten.

Wie groß ist die SoLawi-Gruppe und wie habt ihr die Verbindlichkeiten geregelt?

Wir haben 20 Anteile, was sich aus der Größe der Anbaufläche ergibt. Einige Personen teilen sich 1 Anteil, andere haben mehrere Anteile. Je nachdem wie viel Gemüse gegessen wird! Es gibt eine schriftliche Vereinbarung über 1 Jahr, also bis 28.02.2015. Darin ist der Monatsbeit­rag geregelt (60€ pro Anteil) und dass 1‑2mal pro Woche geliefert wird. Es gibt einen Abhol­raum. Dort liegen die Ernte-Anteile bereit. Die jeweilige Ernte (z.B. Salat oder Tomaten) wird durch 20 geteilt.

Der Monatsbeitrag errechnet sich aus den ge­schätzten Produktionskosten für ein Jahr (inkl. Gehalt). Sie werden durch die Anteile (20) und die Monate (12) geteilt. Es wird kein Gewinn er­zielt.

Welche Personengruppen haben Nutzen?

Für mich, Antje, ein sinnvoller Arbeitsplatz mit viel Lerneffekt. Ich wusste nicht wie das Kraut von einer Pastinake aussieht! Verbraucher und Produzenten werden zusammengeführt. Für die Beteiligten größtmögliche Transparenz, sie können sehen was und wie viel wächst. Man­che haben Spaß, mitzuarbeiten: Ausgleich zur Büroarbeit. Es gab auch Anfragen von Schu­len…

Was war heuer die größte Herausforderung für dich?

Die Ertragseinbußen! Nicht alles wächst, wie man/frau es sich vorstellt. Wir haben den Grün­landumbruch erst heuer gemacht, es gibt sehr viel Graswuchs, dazu Mitesser wie Schnecken, Mäuse… Sich davon nicht frustrieren zu las­sen, das war eine große Herausforderung für mich.

und die größte Freude?

Immer wieder zu sehen, wie aus einem Sa­menkorn eine ganze Pflanze kommt!

Aber auch die Dynamik in der Gruppe: es wer­den Informationen getauscht, oder Lebensmitt­el wie Honig und Eier.

Was sind Deine Pläne fürs nächste Jahr?

Dafür ist es jetzt zu früh. Im Herbst weiß ich mehr. Wie die Erträge waren, ob die Menschen zufrieden waren. Wer dabei bleibt. Erst dann kann ich Pläne machen.

Danke für das Gespräch und für Deine Zeit. Und weiter Kraft und Freude was für die Erde zu tun!

Das Interview führten
Meret E. WindeleundRaimund Koch
E-Mail: EvaW@text-talk.de

 

solawi_allgäu

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Eine Antwort auf Projektvorstellung „SoLaWi Wild-Hof“ Bad Waldsee

  1. Konrad sagt:

    Echt mutig und großen Respekt, so ein tolles Projekt „aus dem Boden zu stampfen“ 😉
    Vor allem in der heutigen Zeit, wo die Spritzufuhr des Fahrzeugs ein größere Rolle zu spielen scheint, wie die Versorgung des eigenen Körpers.

    Ich wünsche mir das das Projekt weiter gedeiht, denn es ist was Nachhaltiges.
    Viele liebe Grüße, Konrad

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