Leben im Rhythmus der Natur: Winterzeit

Die Natur zeigt mir… kahle Bäume – die Lebensenergie der Pflanzen hat sich tief in die Erde zurückgezogen. Samen und Wurzeln ruhen. Die Vögel schweigen. Unser Kater verbringt die Tage zusammengerollt auf dem Bett und verlässt diesen Platz nur zur Futteraufnahme und für kurze Spaziergänge. Die Natur hat sich eingerichtet auf das Notwendige, denn nur so lassen sich die Last von Schnee und Eis und die langen kalten Nächte gut überstehen.

Die langen Nächte lassen das Schlaf- und Ruhebedürfnis auch in mir wachsen. Und so frage ich mich, welcher Ballast aus meinem Leben weichen möchte. Arbeite ich zuviel? Habe ich zu viele zusätzliche Termine geschaffen? Meine ich ständig, alles perfekt machen zu müssen? Ich spüre: im Winter möchte etwas in mir wesentlich werden. Klar, einfach und unverschnörkelt.

Vielleicht kennen Sie auch die Unlust beim Aufstehen im Dunklen. Die schnelle Müdigkeit am Nachmittag. Und das Gefühl von „Zuviel“ bei zusätzlichen Anforderungen? Sind das nicht Zeichen, daß wir weniger Energie haben? Und mehr Ruhe brauchen?
Gehen wir doch diesem natürlichen Bedürfnis nach Ruhe nach! Mal früh ins Bett gehen. Sich in die Decke kuscheln mit einem guten Buch. Auch Meditationen, stille und aktive, sind hilfreich.

Mir selbst tut eine Auszeit gut, die ich mir gerne in der Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar gestatte. Eine Zeit von mindestens 7 Tagen. Ohne Termine, Telefon oder E-Mail. Lang schlafen, saunen, spazieren gehen, lesen, Freunde besuchen….Wäsche und Postverkehr (auch den elektronischen!) lasse ich ruhen.

Möglicherweise ändern sich auch die sozialen und erotischen Bedürfnisse im Winter. Vielleicht spüren Sie Sehnsucht nach Geborgenheit und nach vertrauten Menschen. Weniger die größere Gemeinschaft, mehr das Sein und Aushängen mit PartnerIn, Freundinnen und Freunden, (Wahl)Familie. Und vielleicht sind die erotischen Bedürfnisse eher auf kuscheln, streicheln, miteinander Zeit verbringen angelegt. Frühstück im Bett. Gegenseitige Massage. Über Phantasien sprechen. Gemeinsam träumen…

Der Winter hat seine eigene Schönheit, Eiskristalle glitzern in der Sonne. Und gleichzeitig gehören zum Winter auch all die düsteren Stimmungen, Befürchtungen und Ängste. Und das Bedürfnis nach Rückzug. Im Winter ist der Tod näher, und all das, was mit Abschied und Trennung zu tun hat. Die alten Menschen wissen das noch!
Vielleicht brauchen wir diese Phase der Ruhe, Reduktion (=zurück-führen) und des Nach-innen-Gehens? Damit im Frühjahr die Kräfte neu erwachen??

Die Wiederannäherung an den Rhythmus der Natur macht unser Leben einfacher und leichter. Wir brauchen keine aufputschenden Mittel – noch eine Tasse Kaffee! – oder Antidepressiva (auch die pflanzlichen!) – sondern Ruhe und Schlaf. Vielleicht bringen wir dadurch die Grippewellen zum schwinden. Und es wird leichter mit dem Älterwerden und Sterben, wenn wir den Tod in seinen vielen Erscheinungen im Winter kosten lernen.
Ich wünsche Ihnen Wärme, Geborgenheit und viel Zeit fürs Wesentliche!

Meret E. Windele

Über g-4460-1

Permakulturgärtner, Blogautor, Sozialarbeiter und Webdesigner
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