Holzvergaser: Holz kann auch anders genutzt werden

Holz ist im Allgäu eine häufig verwendete Energiequelle. Meist wird Holz zur privaten Wärmeerzeugung in Stückholz-, Pellet- und Hackschnitzelheizungen verwendet. Dabei wird meist nur ein Faktor des Holzes genutzt – die Wärmeproduktion. Es gibt jedoch Möglichkeiten, Holz mehrfach zu nutzen, oft um ein Vielfaches umweltfreundlicher.

In dieser Ausgabe stellen wir Winfried Zörlaut und den von ihm entwickelten Holzvergaser vor. Winfried hat ihn aus mehreren Komponenten individuell zusammengebaut. Manche kennen Holzver­gaser noch vom Krieg, bei Traktoren oder Autos zum Beispiel.
Es folgt ein Interview von Jochen Koller mit Winfried Zörlaut
Jochen: Winfried, was kann sich der Laie unter einem Holzvergaser vorstellen?
Winfried: Ein Holzvergaser besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Vergaserkessel und dem Blockheizkraftwerk (in Form eines Automotors). Im Gegensatz zur normalen Holzverbrennung werden hier Holzvergasung und Holzgas­verbrennung räumlich und zeit­lich voneinander ge­trennt. Die Holzvergasung erfolgt im Holzvergaserkessel und die Holzgasverbrennung erfolgt im Automotor, der als Block­heizkraftwerk Strom und Wär­me erzeugt. Im Holzvergaser selbst fällt ein Teil Holzkohle als „Abfallprodukt“ an. Durch die ge­trennt stattfindenden Prozesse werden im Vergleich zur norma­len Holz­heizung wesentlich we­niger Abgase freigesetzt. Das Holz verbrennt nahezu rückstandsfrei, der Schadstoffausstoß ist kaum meßbar, und es entsteht kein Feinstaub. Die CO2- Bilanz ist hervorragend, vom im Baum gespeicherten CO2 werden lediglich 10% freige­setzt. Bei der normalen Holz­verbrennung ist die Bilanz deut­lich schlechter.
Jochen: Du hast selbst Wald und bisher auch schon eine Holzheizung gehabt, wo du sowohl Stückgut als auch Hackschnitzel heizen konn­test. Warum jetzt auch noch den Holzvergaser?
Winfried: Mein Vater hat mir immer schon vom Holzvergaser erzählt gehabt, das hat mich fasziniert. Es stand jetzt eh eine Modernisierung der Hackschnitzelheizung an, und ich wollte was autarkes, neues.
Jochen: Hat denn ein Holzvergaser neben den schon erwähnten ökologischen Aspekten Vor­teile gegenüber der Holz-/Hackschnitzelver­brennung?
Winfried: Ja. Erstens: Der Wirkungsgrad ist sehr hoch, 95%. Stückholz liegt bei 55% und Hackschnitzel bei 70%, allerdings nur, wenn der Trock­nungsgrad optimal ist. Zweitens: Es entstehen drei unterschiedliche Produkte, die entweder selbst genutzt oder verkauft werden können:
Wärme + Strom + Holzkohle

Jochen: Was sind die Einsatzmöglichkeiten des Holzvergasers?
Winfried: Ein Ziel ist die Unabhängigkeit. Mit dem Strom könnte ich auch heizen oder Auto­ fahren. Ich mache den Strom, wann ich will, im Gegensatz zu Wind und Sonne. Ich kann Holz nutzen, welches sonst als Brennholz nicht in­teressant ist, und ich erzeuge Holzkohle, die ich im Landwirt­schaftsbetrieb zur Verbesserung von Gülle, Garten und Ackerbo­den oder als Verkaufsprodukt nut­zen kann.

Jochen: Welche Vorteile gibt es noch?
Winfried: Bei mir dauert die Trocknung zwei Tage, beim Stückholz zwei Jahre. Und insgesamt hat man einfach viel weniger Arbeit mit dem Holz. Positiv an meiner Anlage ist, daß sie inte­griert ist in die bestehende Heizanlage mit großem Pufferspeicher. Das trägt auch dazu bei, daß ich dabei gegenüber einer Hackschnitzelheizung mit 25 bis 30 kW nur ca. ein Drittel bis die Hälfte der Kosten habe. Außerdem besteht durch die Vielfalt meiner Heizquellen nur ein sehr geringes Risiko bei Ausfall einer Heizmöglichkeit bzw. wenn am Holzvergaser etwas überarbeitet wer­den muß. Durch den Pufferspeicher muß die Anlage nicht ständig laufen. Rein rechnerisch muß meine Anlage zehn Tage und Nächte lau­fen, dann habe ich den Strom für meinen Bauern­hof und die Ferienwohnungen für ein ganzes Jahr erzeugt.

Jochen: Für wen lohnt sich denn ein Holzvergaser?
Winfried: Mein Holzvergaser ist noch in gewis­ser Weise ein Pilotprojekt, da die meisten ferti­gen Holzvergaser für größere Einheiten gebaut wurden. Ich habe mir meinen aus mehreren Komponenten zusammengebaut. Gerade für Gewerbetreibende wie mich besteht noch der Vorteil, daß die Anlage gewerblich absetzbar ist. Das Material für die Hackschnitzel bekom­me ich günstig bzw. stelle ich selbst her. Die Vergütung des Stroms ist teilweise noch etwas schwierig, da arbeiten wir noch dran. Ein ganz wesentlicher Vorteil ist der ökologische Aspekt, der oben schon beschrieben wurde.

Jochen: Welche Voraussetzungen brauche ich, damit der Holzvergaser für mich in Frage kommt?
Winfried: Freude an der Technik und ein gewis­ses Wissen im Hintergrund muß da sein. Be­sonders geeignet wäre es für Bauern, Schrei­ner, Gärtner, die auch zum Beispiel am Strom und nicht nur an der Wärme interessiert sind. Die Anlagen bringen Energie, wenn man sie braucht, an jedem Ort, und sie können mit diversen Materialien (wie zum Bei­spiel Hackschnitzel oder Walnußschalen) beschickt werden. Bei uns kommen in erster Linie Hackschnitzel in Frage.

Jochen: Du selbst bist ja Biobauer und dir ist die Kreislaufwirtschaft wichtig bzw. die Unabhängigkeit, und du kannst die Holzkohle ja auch noch für Gülle oder Garten nutzen. Wieviel Prozent dei­ner Kollegen könnten so einen Holzvergaser betrei­ben?
Winfried: Da viele Bauern auch ein technisches und praktisches Wissen haben, könnten es mit einer Einführung und eventueller Begleitung von mir 10-20% umsetzen. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte es evtl. auch Systeme geben, die für Bau­ernhöfe oder andere kleinere Einheiten geeignet sind.

Jochen: Welche weiteren Einsatzgebiete könn­te es geben?
Winfried: Ein Verbund mehrerer Wohnhäuser mit einer Speichermöglichkeit (Akkus) wäre auch eine sinnvolle Möglichkeit.

Jochen: Das hört sich ja alles ganz toll an – so­wohl für die Umwelt als auch für dich und andere Menschen, aber da bleiben doch für Laien und auch Tüftler in so einem kurzen Arti­kel viele Fragen offen. Wo können Menschen mehr darüber erfahren?
Winfried: Ich werde in Zukunft in gewissen Abständen Führungen und Fachvorträge dazu an­bieten, zunächst stehe ich für Fragen erst einmal unter O832O/1247 zur Verfügung.

 

Mail von Winfried nach dem Interview:
Hallo Jochen,
wir werden wohl doch nicht um eine Speiche­rung unseres selbst erzeugten Stromes rum­kommen. Letzte Woche hat unser Stromversorger mal wieder angerufen. Wir würden keine Vergütung bekommen, solange wir kein Umwelt­gutachten vorlegen.
So!!! Wir hatten das Thema schon mal.
Ein Umweltgutachten kostet uns ungefähr soviel, wie wir pro Jahr Einspeisevergütung bekom­men würden. Also ist es schlichtweg – unwirt­schaftlich. Dann haben wir uns erkundigt – so haben wir es wenigstens verstanden – daß wir, wenn wir kein Umweltgutachten haben, wir den Nawaro- und KwK-Bonus nicht bekom­men. Damit könnten wir ja noch leben, aber mit einer Grundvergütung haben wir schon ge­rechnet. Jetzt sieht es so aus, daß wir gar nichts bekommen sollen! Aber das glaub ich noch nicht. Wir müssen jetzt mal recherchieren, ob wir unsere Anlage nicht in einer anderen „Kategorie“, oder bei einem anderen Stromanbieter melden, oder ob wir den Strom in einem an­deren Bundesland verkaufen können.
Irgendeine Lö­sung muß es da geben. Wenn wir den einge­speisten Strom nicht vergütet bekommen, müs­sen wir was bauen, damit wir den Strom spei­chern können und für uns verwenden können.
Ich schenk’ den Gierhälsen doch nicht unseren wertvollen Strom, kommt gar nicht in Frage!!!
Ich bin echt wütend.
….Oohhhhmm – So, jetzt geht’s wieder
Liebe Grüße von Jeanette und Winfried

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