Fortsetzung des „Guten Lebens“ Unterthingauer April oder Neues aus Unterhingau

Im April fanden bei der Naturwert-Stiftung in Unterthingau zwei Veranstaltungen über insge­samt 20 Tage statt. Beide waren einem guten Leben gewidmet.

Es begann mit dem Symposi­um „Ein Dorf im Wandel“, das anlässlich der vorzeitigen Bürgermeister-Wahl in Unterthingau stattfand. Robert Briechle, Vorsitzender der Natur­wert-Stiftung, hatte die unplanmäßige Wahl zum An­lass genommen, für diese Gemeinde und an­dere eine Reihe von Themenbereichen durch Referenten aus nah und fern zu beleuchten, die für eine gute Zukunft ins Bewusstsein geru­fen werden sollten.
Es begann mit einem Vortrag über Permakultur als Möglichkeit „ein gutes Leben zu leben“ von Jochen Koller, der auch einen weiteren Abend mit einer Reihe von Filmen mit den Schwer­punkten „Boden als Grundlage unseres Le­bens“ und „Permakultur in anderen Erdteilen“ begleitete. Klaus Hauschild hielt einen Vortrag über „Per­makultur in Irland“
Prof. Otterpohl, Leiter des Instituts für Abwas­sermanagement von der TU Hamburg-Harburg sprach über die Bedeutung des Bodens und Bodenlebens für den (Hoch-)Wasserschutz und von der Vergiftung der Böden und damit des (Trink-)Wassers bei gleichzeitiger Degradie­rung der Böden weltweit. Aber auch bei uns passiert dies durch Pestizide, Kunstdünger, Mais für Biogasanlagen, Wasser und Windero­sion (durch fehlende Hecken, abgeholzte Käm­me von Hügeln mit Windkanälen etc., wie Ot­terpohl betonte. Einzige wirklich sinnvolle Bio-Energietechnologie ist nach seiner Ansicht ein Holzvergaser.Er sprach auch über die Wieder­besiedelung des Landes als Alternative zur Entvölkerung des Landes. Einige Ansätze dazu sind auch im Artikel „Barfußhäuschen im Gar­tenringdorf“in der Zeitschrift „OYA“ ( Nr. 18) zu finden, den er geschrieben hat. Diese ländli­chen Siedler sollen auch die Aufgabe ha­ben, die Städte mit zu ernähren. Derzeit ziehen die meisten Menschen aufs Land als Pendler und produzieren damit nur Umweltbelastung.
Daran anknüpfend war die Vorstellung von Ro­bert Briechle über die Umwandlung von Bau­ernhöfen in „Mutterhöfe mit Familienlandsitzen“ a 1 Hektar, auf denen Familien leben und sich selbst erhalten können, ohne Eigentümer der Flächen zu werden. Ein Musterhektar wurde von ihm 2009 begonnen und dargestellt, der­zeit beginnt in der Altmark ein von ihm durch­geführtes Projekt auf 60 Hektar. Um die rechtli­che Situation, die auch für solche Projekte wichtig ist, z.B. im Zusammenhang mit Bauge­nehmigungen im Außenbereich und der Schulanwesenheitspflicht, ging es bei Tobias
Sommer, der einen beeindruckenden und we­gen seiner Nüchternheit und absoluten Para­graphenfestigkeit wenig anfechtbaren Vortrag zur Rechtslage in Deutschland hielt.
Für viele gerade ältere ZuhörerInnen war es er­schreckend, zu erkennen, dass wir seit fast 70 Jahren ein von den Alliierten besetztes Land sind, die BRD als Staat nicht existiert (sondern das Deutsche Reich), das Grundgesetz weder eine Verfassung ist, noch ein gültiges Gesetz ist und weiterhin Gesetze aus der Zeit des Na­tionalsozialismus angewendet werden, die von den Alliierten schon lange verboten wurden. Quintessenz: Den Rechtsstaat BRD gibt es nicht und damit auch keine Demokratie in Deutschland. Die Bürger sollten sich neu (selbst-)organisieren und/oder einen Rechts­staat bilden. Um Neuorganisation im Bereich der Wirtschaft ging es bei Jörn Wiedemann von der REWIG-München, der im kleinen Kreis dar­über sprach, wie Wirtschaft geändert werden muss, damit sie nicht zum Krebsgeschwür wei­terwuchert, sondern dem Gemeinwohl dient .
Was ein einzelner Mensch bewirken kann, der auf seine alten Tage zur Liebe zurückfindet und seine Millionen endlich einmal sinnvoll einsetzt, anstatt die Menschheit auszusaugen, zeigte Dieter Strobel aus Bremen mit seiner Vorle­sung mit Gesang der Geschichte „Der Milliar­där“ aus dem Buch „Neue Zivilisation“ von Wla­dimir Megre.
Das war dann auch schon der nahtlose Über­gang oder Beginn des Permakultur-Zertifikats­kurs, an dem 14 Menschen teilnahmen.10 in­tensive Tage bei der Naturwert-Stiftung in Un­terthingau mit Kursleiter  Jochen Koller im Zu­sammenspiel mit Robert Briechle, Jochen Feix u.a. fanden in Unterthingau und an anderen Orten im Allgäu statt. Der Kurs war neben den theoretischen Kurseinheiten sehr praxisorien­tiert. Beim Beginn eines neuen Permakul­tur-Systems mit dem Einsatz eines Baggers bei Redaktionsmitglied Raimund Koch, taten sich vor allem auch die weiblichen Kursteilnehme­rInnen mit Mut und Gefühl hervor. Viel Handar­beit gab es beim Steinterrassenbau mit runden Steinen bei einem anderen Projekt und im Gar­ten der Naturwert-Stiftung, sowie beim gemein­schaftlichen Start zum Bau eines Grundofen für das Humuseum.
Jochen Feix begann mit allen TeilnehmerInnen mit einer Transportkette der 150 Jahre alten Ziegel und beendete den Rohbau knapp nach dem Kursende mit dem ersten Einheizen. Jetzt fehlt noch der Lehmputz und eine Spende für den Erbauer, der hier viel Arbeit reingesteckt hat.
Gekocht wurde auch mal mit der Sonne, dank der Solar-Kochkiste, die Heinrich Thanner vor­stellte.
Energie war auch ein Thema am Bio-Hof Zör­laut. Der selbst gebaute Holzvergaser erzeugt Strom, Wärme und Holzkohle aus dem Abfall eines Landschaftsgärtners bzw. des eigenen Waldes, der im Kurs 2010 begonnene Gemü­segarten mit Benjeshecke versorgt die ganze Familie in der Saison mit Gemüse und dank der gedanklichen „Energiekaskade“ der Perma­kultur zum Einsatz von Energie , wird alles sinnvoll verwertet und ermöglicht der Familie ohne auswärtige Arbeit und mit nur 15 Mutter­kühen gut zu leben. Das vierteljährliche Treffen der Transition-Initiative Allgäu wurde von den KursteilnehmerInnen und 20 weiteren Personen mit Leichtigkeit und Ernst bei Tanz, Visionsübungen, Open Space und World Cafe´ als Methoden gelebt. Erstmals wurde auch „Permakultur-Land Allgäu“ einer größeren Öf­fentlichkeit vorgestellt und bearbeitet.
Beim Treffen fand auch eine schöne Verknüp­fung von Kurs und Treffen statt, als Stephanie Metaschk eine interessante Präsentation zu den sogenannten Earthships-Häuser durch­führte. Zu guter Letzt schloss der Kurs mit Per­makultur-Planungen von Teilnehmer-Projekten und der Überreichung des Zertifikats ab. Filme vom Zertifikatskurs durch Alex Then und vom Symposium werden veröffentlicht. Ich bedanke mich für das tolle Zusammenspiel aller Mitwir­kenden.
Darum „Ein gutes Leben zu leben“ geht es auch  beim  nächsten Zertifikatskurs vom 23. September – 3. Oktober bei der Naturwert-Stif­tung, der gleich nach dem Treffen vom Perma­kultur-Netzwerk Bayern (21. September) bei der Naturwert-Stiftung in Unterthingau stattfin­det. Zu diesem Treffen sind alle herzlich einge­laden.
Wer Stände, Darbietungen etc. machen will, bitte bei der Naturwert-Stiftung melden
Adressen:
www.naturwert-stiftung.de
www.permakultur-koller.de
permakulturnetzwerkbayern.wordpress.com  
www.permakulturland-allgaeu.de

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