Der Kreislauf der lebenden Substanz

oderAlle Pflanzen fressen Fleisch

von Herwig Pommeresche, Norwegen – und Jochen Koller, Allgäu

Liebe(r) Leser(in),

keine Angst, keine Pflanze frisst Dir Dein Fleisch vom Teller. Solltest Du  Vegetarier sein und eh kein Fleisch essen, wirst Du lesen, dass letztlich jedes Lebewesen andere auffrisst, auch die Pflanze frisst andere Lebewesen in lebendigem Zustand. Ihre Friedlichkeit ist also nur scheinbar.

Das Forschungsinstitut für Permakultur und Transition (FIPT) ist inzwischen beim Herausgeber von „Nachhaltiges Allgäu“, dem PIA Förderverein für nachhaltiges Wirtschaften Allgäu e.V. angesiedelt, aus dem es 2011 auch entstanden ist. Das FIPT beschäftigt sich seit seiner Gründung mit einem biologischen Denkmodell   und den Auswirkungen auf Landwirtschaft, Gesundheit und andere Lebensbereiche. Darüber wird im Folgenden geschrieben.

Die (Untersuchungen innerhalb der) Astrophysik der NASA hat (haben) zu der Erkenntnis geführt, dass die lebensnotwendige, konstante Zusammensetzung der Erdatmosphäre nach allen Gesetzen der Chemie nicht möglich ist. Dies hatte zur Folge, dass der NASA-Mitarbeiter und Astrophysiker Lovelock sich an die Astrobiologin Lynn Margulis wandte. Margulis hatte gesagt, dass das Leben der Blau-Grün-Algen (Cyanobakterien) im Wasser und im Erdboden und das Leben in den Chlorophyllkörnern in allen Pflanzen  unsere Erdatmosphäre in der biologischen Ordnung zu halten vermag . Es sind also nicht irgendwelche Gase oder andere toten Stoffe, sondern die Welt der Mikroorganismen, die das Leben auf der Erde ermöglichen und in Ordnung halten.

Da es sich um (unser) Leben handelt, reicht die Chemie als Denkmodell nicht aus, was die NASA schon vor Jahrzehnten erkannt hat. Wir benötigen deshalb ein biologisches Denkmodell (zumindest, wenn wir bei den Naturwissenschaften bleiben wollen)  damit unser Leben (griechisch bios = Leben) gut funktionierten kann.

Um das Leben aufrecht zu erhalten, bedient sich das Leben mehrerer Methoden:

1.   Remutation:

Herwig PommerescheStirbt ein Organismus oder ein Teil davon ab, z.B. eine Pflanzenwurzel, zerfällt sie in frühere Entwicklungsstadien, z.B. Bakterien, Algen oder andere Mikroben. Dieser Vorgang wird Remutation genannt. Diese Mikroben beginnen dann z.B. mit dem Ab- und Umbau des Abgestorbenen. Aus Chlorophyllkörnern werden ebenfalls Cyanobakterien. Dies wurde schon vor 70 Jahren von dem renommierten Professor Hugo Schanderl erforscht, aber niemanden interessiert(e) es.

Der Tod einer Pflanze gebiert milliardenfach neues Leben durch Umgestaltung und Remutation der Zellorgane in entwicklungsgeschichtlich ältere Lebensformen.“ (Hugo Schanderl 1970)

Zwischen Kuh und Pflanze besteht ein weit innigeres Verhältnis, eine Art Symbiose von Tier und Pflanze. Aus dem Kot der Kuh geht ein beträchtlicher Teil der aus pflanzlichen Zellorganellen regenerierten Bakterien wieder an den Pflanzenboden zurück. Dieser Dünger ist im Gegensatz zu Kunstdünger mit Leben erfüllt und bereichert den Boden mit Bakterienleben und erhöht seine Fruchtbarkeit.

Es hat sich überall gezeigt, dass alleinige Düngung mit chemischen, biologisch toten Düngersalzen die Böden mit der Zeit unfruchtbar macht“. (Hugo Schanderl)

Versuche bei der Pharmafirma Sandoz (Stichwort Urzeit-Code) zeigen die Rückentwicklungsmöglichkeiten (Remutation) in frühere Entwicklungsstufen auf andere Art und ausgelöst durch künstliche physikalische Maßnahmen.

Prof. Günther Enderlein (Stichwort Isopathie) hat schon vor 70–80 Jahren viele Entdeckungen zur Wandlungsfähigkeit von kleinsten Bestandteilen des Lebens in beide Richtungen (frühere, niedrigere Entwicklungsform oder höhere Entwicklungsform) gemacht und darauf seine Medizin begründet, die wegen ihrer Wirksamkeit bekämpft wurde und wird.

Dieser Wandel der Formen wurde auch vom Mikrobiologen und Arzt Hans-Peter Rusch (zusammen mit Santo) nach Laborversuchen beschrieben, der ihn als „Kreislauf der lebenden Substanzen“ bezeichnet hat. Rusch war einer der Vordenker der biologisch-organischen Landwirtschaft .

  1.    Endocytose:

Pflanzen, Tiere und Menschen verleiben sich Teile von oder ganze Lebewesen ein und bauen die noch lebenden Bestandteile (z..B. Mitochondrien) in ihren Körper ein. Dieser Vorgang wird Endocytose genannt. Dies geschieht nicht über den Mund, sondern den Darm bzw. die Pflanzenwurzel, die wie ein umgestülpter Darm funktioniert.Auch eine Pflanze nimmt nicht nur friedlich tote wasserlösliche Salze auf, wie selbst in Teilen der biologischen Landwirtschaft, zuletzt von dem von mir sehr geschätzten Bernhard Hummel in Heft 9 von „Nachhaltiges Allgäu“ geschrieben wurde. Sie ernähren sich (auch) von lebenden Substanzen, die sie in ihren Körpern einbauen. Das können z.B. lebende Bakterien sein. 2010 ist es gelungen, im Film live zu zeigen wie eine Pflanzenwurzel lebende Coli-Bakterien aufnimmt (frisst). Wie sie die verarbeitet und ob dann diese Nahrung evtl. schädlich sein kann, ist noch nicht erforscht und interessiert auch noch fast niemanden, obwohl sonst vor Coli-Bakterien immer gewarnt wird. Damit das Bodenleben im Garten oder auf dem Acker mit Nahrung versorgt wird, muss es  z.B. mit Gras oder anderen (teilweise) lebendigen biologischen Substanzen wie Laub, Sägemehl, Infusorienkulturen, Schlamm oder anderem gefüttert werden. Herwig Pommeresche aus Norwegen, Mitwirkender bei unserem Forschungsinstitut und Abonnent von „Nachhaltiges Allgäu“, hat dies über Jahre experimentell und praktisch untersucht und im Buch „Humusphäre“ beschrieben. Seine Ernteerfolge, basierend auf dem biologischen Denken und Handeln, werden von keiner konventionellen und biologischen Landwirtschaft erreicht.

3.  Nahrung muss lebendig sein
und aufgenommen werden

Damit der Mensch mit gesunder, lebendiger Nahrung versorgt wird, muss diese möglichst lebendig sein und in einer Form, die er auch aufnehmen kann

Analogzur Fütterung des Bodenlebens sollten auch wir unserem Körper möglichst lebendige Nahrung zuführen. Rohkost, speziell aus Wildsammlung, erfüllt dies am ehesten. Aber nicht jeder Darm verträgt diese und kann die Lebensstoffe aufnehmen, damit sie wirksam werden. Dafür gibt es viele Gründe, deren naheliegendster ungenügendes Kauen ist.

Dementsprechend wurden „Grüne Smoothies“ (also Pflanzen mit Blattgrün + Zutaten z.B. Obst + Flüssigkeit zerkleinert im Mixer) entwickelt. Hier gilt das gleiche wie für die Ernährung des Bodenlebens:


Die Zellen müssen aufgebrochen werden, damit ihre lebendigen Inhalte dem Darm (analog der Pflanzenwurzel) verfügbar gemacht werden. Bei mangelhaftem Kauen toller Nahrung passiert das nicht oder wenig. Deshalb muss die Nahrung für den Menschen so klein gemacht werden, damit sie verdaut und aufgenommen werden kann. Sonst entsteht Fäulnis und/oder fehlende Gesundheit/ Krankheit. (Anmerkung: Gute Zähne und gutes Kauen machen den Mixer überflüssig)

4.  Zellen sind nicht
die kleinsten Einheiten des Lebens

BodenlebenUnser Körper besteht nicht nur aus Zellen. Ca. 1/3 des menschlichen Körpers hat keine Zellform. Es gibt genügend Erscheinungsformen des Lebensstoffes (Protoplasma), die nicht in Zellform sind, bzw. wo sich die Zellform auflöst und aus dem entstehenden Plasma-Brei eine ganz andere Form entsteht, wie z.B. bei der Umgestaltung des Larven-/Raupenstadiums zur Endform, wie bei der Libelle oder beim Schmetterling. Die Zellform ist nur eine von mehreren möglichen Erscheinungsformen des Lebensstoffes, an jedem Stein kleben Plasmafetzen, die keine Zellform haben und (fast) überall im Leben gibt es zellenlose Formen. Auch diese Plasmaformen werden von anderen Lebewesen lebendig gefressen.

5.   Die Wiederauferstehung

Letztendlich findet eine „Wiederauferstehung“ statt. Aus Sterbenden und Gestorbenem werden  noch funktionierende (lebende) Teile entnommen und in andere Organismen eingebaut. Auf einen Menschen bezogen leben nach dem Tod Teile von uns in anderen Lebewesen weiter und werden vielleicht sogar später von anderen Menschen wieder gefressen. Wir zerfallen nicht zu Staub und verwesen,  sondern Teile von uns werden in lebendigem Zustand von anderen Lebewesen umgewest (außer wenn wir verbrannt werden).  Hier wird selbst naturwissenschaftlich begreiflich, dass wir alle miteinander verbunden sind.

„Was einmal in der Welt war, fällt aus ihr nicht mehr heraus“ (Raoul Heinrich Francé ).

6.   Die Erhaltung der Fruchtbarkeit

Die ungeheure Fruchtbarkeit aller vorhistorischen Agrikulturen wie z.b. Hunza, Azteken,Terra Preta ist nur unter dem Aspekt des gut gefütterten und vorhandenen Bodenlebens und der vorhandenen „Wohnmöglichkeiten“ im Boden für diese (Kompost, Holzkohle, kleinste Steine und Muschelschalen usw.) zu verstehen. Man wird in allen Fällen „anormale“ Mengen von lebendem Protoplasma als direkt zugängliche Pflanzennahrung (für die Endocytose) und ebenso „anormales“ Porenvolumen, Wasserkapazität und Erosionssicherheit in Zusammenhang mit 5, 10,15 bis zu 30 mal größeren Ernteergebnissen pro m² finden. Hierin eingeschlossen sind biologische Qualitäten, die sich chemisch gar nicht definieren lassen, wie Geschmack, Krankheitsresistenz, Lagerfähigkeit und – am wichtigsten von allem – Gesundheit restituierende Lebensmittel. Die Mikrobiologische Agrikultur kann sie produzieren, so, wie sie von der Mikrobiologischen Therapie gefordert wird.

7.  Das chemische
Verständnismodell
kann das Leben nicht erklären

Von dem traditionellen, todstofflichen, chemischen Verständnismodell her ist die ökologische, die wirklich biologische Landwirtschaft, Ernährung und Medizin nicht zu verstehen.Leider bezieht sich die heutige „ökologische Landwirtschaft“ oft auch nur (noch) auf chemische Elemente wie Stickstoff, Phosphor, Kali. Die Grundlage für die zukünftige Vorstellung, die man sich erarbeiten muss, findet man in der mikrobiologischen Ökologie im ungebrochenen Kreislauf der lebenden Substanzen: Alle Organismen (hier neu: auch alle Pflanzen), ernähren sich von lebenden anderen Organismen.

Eine mikrobiologisch begründete Vorstellung der lebenden Zusammenhänge der Pflanzenernährung sowie eine darauf folgende Revision unserer gesamten Ernährungslehre würde der Biologischen Landwirtschaft wirklich sicheren Boden unter den Füßen geben.

Kontakt zum Artikel:   Jochen Koller
c/o Klaus Eberle, Jägersberg 4, 87538 Fischen

mail:koller-wiggensbach@t-online.de , www.permakultur-koller.de

Literatur:

Pommeresche,Herwig: Humussphäre – Humus: ein Stoff oder ein System, OLV-Verlag

Rusch, Hans-Peter : Bodenfruchtbarkeit – eine Studie biologischen Denkens, OLV-Verlag

Boutenko,Victoria: Grüne Smoothies, Hans-Nietsch-Verlag

Krämer, Elke: Leben und Werk von Prof. Dr. phil. Günther Enderlein, Reichl-Verlag St. Goar

Francé, Raoul Heinrich: Plasmatik (nur antiquarisch oder als Scans. www.france-harrar.de )

Die Bücher befinden sich alle im Humuseum (www.humuseum.de), sind aber auch im Buchhandel erhältlich.
Auf www.humuseum.de sind auch 2 Filme von Herwig Pommeresche zu sehen.

Im Film „Erdisieren“ erklärt er  Endocytose und zeigt ein paar seiner „Erdisierungsmethoden“, im Film „Mit den Händen als Grabegabel“ zeigt er auf seinen Versuchsflächen, wie er seine Erträge erwirtschaftet hat,die vergleichbar in der heutigen Zeit nicht erreicht werden.

Wichtige Auszüge von Hugo Schanderl, Prof. Günther Enderlein und Herwig Pommeresche demnächst auf   www.humuseum.de

 

 

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2 Antworten auf Der Kreislauf der lebenden Substanz

  1. Jörg Keller sagt:

    Wir bauen seit ein par Jahren nach Pommeresche ,Higa(EM,Bokashi)und Terra Preta unseren Garten und sind vom Erfolg begeistert.
    Gruß Jörg Keller

  2. Peter Scharl sagt:

    Hallo Jörg,

    wir vom NA wären sehr daran interessiert, wenn Ihr Eure Erfahrungen mit allen „Nachhaltigen“ im Allgäu teilen könntet! Bitte nehmt mit der Redaktion Kontakt auf. Mailadressen immer Seite 2 des NA.

    Ciao Peter

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