Bebauen, Pflegen, Ehren = Kultur

Eine sehr alte Hochkultur ist 80.000 Jahre alt und damit älter als jede menschliche Hochkultur. Sie steht in keinem Geschichtsbuch, denn sie ist nicht menschlich, sondern das Wurzelwerk eines Baumes mit 43 Hektar (=ca. 43 Fußballfelder) Ausdehnung in Utah (USA). Dieser Baum hat viele jüngere Einzelstämme und heißt „El Pando“ . Da jeder Baum nur mit Hilfe von Pilzen (Mykorrhiza) leben kann und über ein weitverzweigtes Netz von Pilzen mit anderen Lebewesen kommu-niziert (Stichwort www. = wood wide web) und das größte Lebewesen der Welt ein Pilz mit 42 km Ausdehnung ist, sind die wahren Ausmaße von „El Pando“ vermutlich noch viel größer.
Dieser Baum hat zumindest eine Landwirtschaft betrieben, die den Boden bebaut und gepflegt hat, sonst hätte er sich nicht so ausdehnen können.
Maisäcker – Niedergespritztes Getreide, das kein Stroh mehr gibt – Photovoltaik auf Wiesen ist das, was man inzwischen oft sehen kann, auch im Allgäu.
Ist da eine Kultur (von lateinisch colere = pflegen, bebauen, ehren) am Werk? Leider nein, es ist eher eine herzlose, zerstörerische, dilettantische und unwissenschaftliche Un-Kultur am Werk.
Mais bekommt viel Dünger, der sich dann wieder als Nitrat im Grundwasser, damit auch im menschlichen Körper und unseren Flüssen wiederfindet und er bekommt meist Gifte ( Pestizide), die wieder in Wasser etc. landen.Außerdem ist er ein „wunderbares“ Hilfsmittel unsere Nahrungsgrundlage, einen funktionierenden Boden zu zerstören, denn er entnimmt dem Boden viel und gibt wenig zurück.
Das niedrige Getreide ist nicht von Natur aus so, sondern wird mit Halmverkürzern und Pestiziden gespritzt. Ob das dann noch ein Lebensmittel ist mag jeder selbst entscheiden, aufbauend, pfleglich ehrend ist es nicht. Früher brauchte man das Stroh zu vielfältigem Nutzen, jetzt scheinbar nicht mehr.
Die Photovoltaik ist ja gut gemeint, aber gut gemacht ist sie nicht. Sie benötigt in der Herstellung jede Menge Energie, seltene Erden, die Entsorgung ist auch sehr aufwendig, es wird viel Abfall produziert, was auch eher nicht als pfleglich bezeichnet werden kann. Ich bezeichne das als dilettantisch um Energie zu gewinnen, denn die ach so primitive Pflanze, mit der man so alles machen kann und die fast niemand mit den Tieren (und damit dem Mensch) als gleichwertig stellt (wo gibt es Pflanzenschutzvereine, wo wird gegen Massenpflanzenhaltungen und Pflanzenschlachtungen geklagt?), ist in manchen Bereichen um ein Vielfaches intelligenter als der Mensch, denn sie produziert nur aufbauenden und sinnvollen Müll (Humus), ansonsten aus Luft,Wasser und Licht Energie. Sie ist immer ein wahrnehmendes, fühlendes Wesen.

Wie erzeugt die Pflanze Energie?
Sie stellt jeden Tag einige leere Schächtelchen ins Licht und abends erhält sie Energie in Form von Zucker und Mehl in diesen Schächtelchen, die der Mensch „Blatt“ nennt. Dazu mischt sie 6 Atome Kohlenstoff, 10 Atome Wasserstoff und 5 Atome Sauerstoff mit Hilfe des Sonnenlichts zu C6H10O5.
Raoul Francé hat dies im Buch „Ewiger Wald“ wunderbar beschrieben. Im Gegensatz zur Photovoltaik sind diese Lichtkraftmaschinen (Blätter) aber an beweglichen Aufhängungen (Blattstiel genannt) befestigt, so dass sie immer dem Sonnenlicht von der Pflanze nachgeführt werden. Da dieses Wesen auch noch so schlau ist, ab der Sommersonnenwende die Anzahl der Blätter zu reduzieren (bei Laubbäumen) und die Blattstellungen eh nach dem „Goldenen Schnitt“ angeordnet sind, hat sie optimale Verhältnisse geschaffen. Sehe ich die Photovoltaik, ist sie meist unbeweglich, saisonal nicht veränderbar und eben nicht wie eine mittlere Buche mit 100.000 Blättern wie ein Hochhaus mit lauter Arbeitsräumen zur Energiegewinnung gebaut, sondern nur zweidimensional nebeneinander angeordnet. Energiespeicher hat die Pflanze auch noch geschaffen, nämlich Stärkekügelchen, Holz und Fett. Daneben produziert sie noch viele Stoffe, z.B. ätherische Öle und Salvastrole
u.a. auch für unsere Gesundheit, ohne Abfall zu hinterlassen. Abfall sind lediglich Holz, Blätter, absterbende Wurzeln und Wurzelausscheidungen, die Tausenden von Lebewesen und dem Aufbau von Humus dienen.
Der Laubmischwald hat in den letzten Jahrtausenden nach der Eiszeit unseren Humus aufgebaut, der meiste Ackerbau (auch der biologische) baut den Humus wieder ab.
Humus kann nur durch Humus ersetzt werden, hat Annie Francé-Harrar geschrieben.Sie hat 50 Jahre auf den Spuren ihres Mannes und mit ihm über Humus in aller Welt geforscht, darüber geschrieben und Handlungsanweisungen entwickelt.Wenn Humus nur durch Humus ersetzt werden kann, nützt auch keine Kunstdüngung, sondern es muss Biomasse in und auf den Boden bzw. der bestehende Boden stabil gemacht werden. Stabil ist er, wenn er wie ein Schwamm ist. Das machen Regenwürmer und viel kleinere Lebewesen (Mikroorganismen), wenn sie nicht durch Pestizide, Düngung mit unbehandelter Gülle, Bodenverdichtung oder Wenden (Pflügen) getötet oder vertrieben werden. Sie können es nur machen, wenn sie etwas zum Fressen haben. Das sind andere Mikroorganismen, lebende oder tote organische Substanz und Steinbestandteile. Räumt der Gärtner oder Bauer alles ab und entfernt gar die Wurzeln der geernteten Pflanzen, hat das Bodenleben keine Nahrung mehr und der Boden verarmt, hält nicht mehr zusammen, kann kein Wasser mehr halten und wird durch Wind und Wasser davongetragen (Erosion). Pflanzen auf solchen Böden sind anfällig, müssen gegossen werden und bei Starkregen kommt es zu Hochwasser und weiterer Abschwemmung fruchtbarer Erde.

Wie können wir mit Energie und Boden kulturell sinnvoll umgehen?
Biomasse darf nicht verbrannt werden nur um Wärme zu erzeugen (es muss zumindest ein Mehrfachnutzen, z.B. Strom und/oder Holzkohle entstehen) oder nur einige Räume beheizt werden bzw. Wohnungsgrößen reduziert werden.
Energieerzeugung darf nicht viel Energie in Herstellung, Entsorgung und Speicherung kosten bzw. nur wenn dann ein deutlich höherer Energieertrag herauskommt.
Sondermüll sollte keiner oder sehr wenig anfallen, seltene Erden dürfen nicht benötigt werden.
Biomasse muss dem Bodenleben zur Verfügung stehen, nackte Böden sind zu vermeiden.
Die Frostgare des Gärtners ist Unsinn, sie bringt nur scheinbare Vorteile.

Wo kommt die Biomasse her?
Außer aus den Bio-Abfällen da wo sie immer schon herkam, aus dem Wald.
Laub,Astschnitt,Holz, Sägemehl und Rinden darf einfach nicht nur für Heizung verwendet werden,sondern sollte eine Mehrfachnutzung erfahren (Strom und Holzkohle oder Terra Preta) oder gleich auf Acker und Garten landen (ggf. nach Vorkompostierung).
Neben dem im letzten Heft beschriebenen Holzvergaser ist eine Möglichkeit alles miteinander zu verbinden der Biomeiler nach Jean Pain. Er besteht aus gehäckseltem Baum- und Strauchschnitt, neuerdings ggf. auch aus Mist, die aufgeschichtet, bewässert und verdichtet werden. Diese Meiler erzeugen mit Hilfe der Mikroorganismen Wärme, die über eingebrachte Wasserschläuche dem Heizkreislauf zugeführt werden kann, ggf. Biogas wenn ein Gärbehälter mit Gärmaterial eingebracht wird und nach der Abkühlung je nach Größe und Entnahme 12-18 Monaten wunderbaren Kompost für den Garten/Acker.

Literatur:

  • Raoul Francé: Ewiger Wald (OLV-Verlag), Kurzauszug s. Leseprobe Ewiger Wald – 7:36 min
  • Raoul Francé: Das Leben der Pflanze (Ein Pflanzen-Brehm)
  • Annie Francé-Harrar:Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not

Dies und viele weitere Bücher gibt es im Humuseum (www.humuseum.de )beim Verfasser anzusehen.Genaueres zum Biomeiler ist unter www.permakultur-forschungsinstitut.net zu finden bzw. wird in einem späteren Heft dargestellt. Vorträge/Seminare/Ausbildungen zu den Themen s. auch unter www.permakultur-koller.de , Kontakt mit Menschen, die Wissen zum Boden haben bei den Stammtischen der Permakulturfreunde Allgäu, s. www.permakulturfreunde-allgaeu.de

Kontakt:
Jochen Koller,
koller-wiggensbach@t-online.de

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