Konkret: Permakultur im Allgäu

Im Heft Nr. 7 von „Nachhaltiges Allgäu“ haben wir begonnen, die wichtigsten Gestaltungsprin­zipien der Permakultur vorzustellen. Mit der Denkweise der Permakultur kann jeder Mensch im Allgäu zu seinem eigenen Wohl und dem der Mitwelt entscheiden und wirken. In dieser Ausgabe soll die­ses Gestaltungsprinzip dargestellt werden:

Produziere keinen Abfall
Permakultur versucht immer möglichst wenig Energie aus dem eigenen System herauszulassen und wenig Ressourcen/fossile Boden­schätze zu verbrauchen. Es geht aber auch darum, mög­lichst sinnvoll mit eigenen Energien, z. B. auch Geld, Nerven, Lebenskraft um­zugehen, um ein gutes Leben zu leben.
Wenn wir etwas kaufen ist es sehr oft so, dass es nach dem Gebrauch weggeschmissen wird, bestenfalls dem Recycling zugeführt wird. Die Vorge­hensweise in der Permakultur ist da eine andere.

Fünf R:

  • Refuse (Widerstehen),
  • Reduce (Re­duzieren),
  • Reuse (Wiederverwenden), Re­pair (Reparieren),
  • Recycle (Recyclen)

Ein Beispiel, das in unserem
All­tag allgegen­wärtig ist, sind Mö­bel. Nehmen wir den Klei­derschrank:
1. Refuse: Brauche ich einen neuen Schrank oder ist der alte Schrank noch voll in Ord­nung und er bedarf nur einer kleinen Ver­schönerung? Habe ich gar noch andere Ge­genstände, die mindestens genauso funktionell und schön sind? Zum Beispiel stehen viel­leicht ja im Keller noch eine Menge alter Wein- oder Apfelkisten herum und die sind op­timale Grundlage für ein selbstgebautes Regal.
2. Reduce: Ist es wirklich nötig, sich einen überdimensionalen Schrank anzu-schaffen, den man am Ende gar nicht ausfüllen kann, weil man ja in Wirklichkeit überhaupt nicht so viel Kleidung benötigt wie gedacht? Wie groß soll er also sein, kann ich Geld beim Kauf sparen? Kaufe ich lieber einen Massivholzs­chrank, der mir ewig treu bleiben wird oder kaufe ich bei jedem Umzug neue, unstabile Möbel aus Press-Span, weil die alten beim Wiederaufbau die „Grätsche“ ge­macht haben?
3. Reuse: In Second-Hand-Läden findet man heute tolle, ehemals ziemlich teure Möbel mit hoher Qualität. Vielleicht lohnt sich auch der Blick in den Antiquitätenladen. Auch las­sen sich andere Materialien (Holzbretter, Kisten, usw. ) mit ein wenig Geschick zum Schrank umfunktionieren. Andersrum natürlich genauso: Der Schrank kann am Ende sei­ner „Lebenszeit“ auseinander gebaut werden und beispielsweise als Gartenverbauung für Hochbeete und vieles andere verwendet wer­den.
4. Repaire: Bei einem Vollholzschrank lässt sich viel leichter einmal etwas ausbessern (Fuß erneuern, Stück aussägen etc.), als bei einem unstabilen Span-holzgestell.
5. Recycle: Es ist nicht nötig, einen unbehandelten Massivholzschrank zu re-cyceln. Wenn er nach (vielen?) hundert Jahren aus­gedient hat, kann man ihn als Energie­quelle verwenden, im Gegensatz zu den mit Giftstof­fen beladenen Möbeln aus Press-Span oder wieder im Garten verwenden.

Weitere Möglichkeiten, vielleicht auch um die­ses Gestaltungsprinzip anzuwenden,
sind die sogenannten „Repaircafés“, s. auch repaircafe.org Im Allgäu wurde damit auch schon im Kempodium begonnen, s. auch kempodium.de/repair-cafe

Liebe(r) Leser(In),
denke nun einmal an die nächste Anschaffung, die Du planst, egal ob im Bereich Auto, Haus­kauf oder Hauseinrichtung, Kleidung oder Nahrungs-m­ittel etc.
Und nun übertrage die 5 Schritte, die Du eben kennen gelernt hast auf diese nächste Anschaffung. Du kannst dabei ein Riesenpo­tential entde­cken, Lebensqualität zu bekommen. gegenüber dem kurzen Kauf- und Besitzglück und dem dafür oft notwendigen, teilweise jahrzehntelangen „Lohnsklaventum“, z.B. bei einem (finanziell über­dimensionierten) Hauskauf.
Anja Scheurich,
Jochen Koller, Rai­mund Koch

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