Engagierte BürgerInnen erhalten Bürgerwald „Tannachwäldle“ in Sonthofen

Im Februar 2012 wurden wir in Sonthofen be­unruhigt durch die Zeitungsmeldung, dass das Tannachwäldle (zwischen Bahnlinie und Albrecht-Dürer-Straße) abgeholzt werden solle, um einem Gewerbegebiet Platz zu machen. Daraufhin sind viele Leute aktiv geworden: Die AnwohnerInnen in der Wohnanlage „Am Tannachwäldchen“ schrieben einen gemeinsamen Brief an den 1.Bürgermeister Buhl, in dem sie auf die Besonderheit und den großen öko­logi­schen Wert dieser Oase im Stadtgebiet auf­merksam machten. Der angrenzende Klein­gar­tenverein sammelte an einem Samstag vor dem nahe ge­legenen Einkaufszentrum auf An­hieb 1400 Unterschriften für den Erhalt des Bürgerwaldes und ihrer Kleingärten.

In face­book gründeten zwei junge Frauen eine Grup­pe „gegen die mögliche Abholzung des Tan­nachwäldchens“ die in kürzester Zeit 600 follo­wers hatte. Ein Anwohner initiierte eine „open-petition“, die 1414 Unterschriften bekam. An­tenne Bayern berichtete in einem Film über das Wäldchen, unsere Besorgnis und die Be­deutung, die dieser kleine Wald mit Waldspielplatz, Kleingärten und Abenteuerspielplatz für die Einwohnerschaft Sonthofens hat. In der Folge gründeten aktiv gewordene BürgerInnen das Netz­werk: “Hände weg vom Tannachwäld­le“

Bei wöchentlichen Treffen wurden Informationen ausgetauscht und weitere Widerstandsaktionen verabredet; die Gesprächsleitung wech­selte, Protokolle wurden geschrieben, Sitzun­gen des Stadtrates wie dessen Ausschüsse und Grup­pen wurden besucht. Dennoch: Die Mehrheit im Stadtrat hielt daran fest, dass die Stadt-, Verkehrs- und Landschaftsplaner, die im Rahmen der Stadt­entwicklungsplanung ISEK (integriertes Stadt­entwicklungskonzept) tätig waren, eine Version mit Erhalt des Tannachwäldchens sowie eine Variante ohne Erhalt des Tannachwäldchens erstellen sollten, denn sie ließen sich vorerst nicht von dem großen Wert einer Grünoase im Bereich der Stadt überzeugen. Das Netzwerk erstellte eine Homepage ww­w.tannachwaeldle.de, schrieb Leser-Innen-­briefe, hängte Plakate auf, entwickelte und ver­teilte 8000 Faltblätter in Briefkästen in der nord­westlichen Stadt Sonthofen. Diese Aktivitäten führten dazu, dass die Bürgerver­sammlung am 3.Mai 2012 mit fast 400 Menschen sehr gut besucht war. Das Planungs­team des ISEK stellte 4 Varianten zur Stadtent­wicklung für die frei werdenden Kasernenflä­chen vor; die neueste Variante beinhaltete den Erhalt des Tannachwäldchens sowie die Ausweisung von Gewerbefläche mit guter Ver­kehrsanbindung an die Bundesstraßen B 19 und B 308.

Das Tannachwäldle bietet seinen Besuchern eine Oase der Ruhe und Entspannung und den Kindern die Möglichkeit zu spielen. Wir vom Netzwerk brachten unsere Empfehlung an den Stadtrat ein, die den Stadtrat dazu aufforderte, dem Tannachwäldchen mit Klein­gärten und Abenteuerspielplatz Bestands­schutz zu geben; diese Empfehlung wurde mit großer Mehrheit verabschiedet. Das Netzwerk „Hände weg vom Tannachwäldle“ hat das Interesse der BürgerInnen an der Ent­scheidung im Stadtrat am 24. Mai 2013 durch weitere Öffentlichkeitsarbeit wach gehal­ten. Zur entscheidenden Stadtratssit­zung übergaben wir dem 1.Bürgermeister Hu­bert Buhl alle 5614 Unterschriften, die wir gesammelt hatten. Der Stadtrat entschied schließlich mit 20 : 5 Stimmen für die Annahme der Empfehlung der Bürgerversammlung und für den Erhalt des Tannachwäldchens mit Kleingartenanlage und Abenteuerspielplatz; der 2007 gegebene Be­standsschutz wurde bekräftigt. Das ist ein großer Erfolg der aktiv gewordenen BürgerInnen, durch den die grüne Oase im Stadtgebiet erhalten wurde.

In der Folge blieben die Mitglieder des Netz­werkes je nach ihren zeitlichen Möglichkeiten weiterhin für das Tannachwäldle aktiv, „um die vielfältigen Funktionen dieser Natur-Oase zu erhalten und noch stärker im Bewusstsein der Sonthofer Bevölkerung zu verankern“ (Presse­mitteilung am 4.6.12). Seit Mitte 2012 sind wir tätig bei der Pflege des Wäldchens in Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof: Entfernen des Ja­panischen Knöterichs, Müll sammeln.

Mitten im Tannachwäldchen liegt ein Wald­spielplatz, der dringend sanierungsbedürftig war; glücklicherweise war in der Haushaltspla­nung der Stadt Sonthofen eine große Summe dafür vorgesehen. Das Netzwerk bot seine Mit­wirkung an und wurde schon bei der Planung und der Auswahl des besten Angebotes mit einbe­zogen Unter dem Thema „Zauberwald“, von der Firma Cucumaz sehr kreativ ausge­staltet, wurde der Waldspielplatz zusammen mit dem Bauhof der Stadt zügig erneuert.

Für Sitzgelegenheiten sammelten sowohl wir vom Netzwerk wie auch der 1. Bürgermeister Spenden, so dass zwei Sitzgruppen angeschafft werden konnten, was die Aufenthaltsqualität wesentlich verbessert hat. Ausserdem wurden durch den Bauhof die drei Brücken über den durch das Tannachwäldle fließenden Mühlbach erneuert.

Die Eröffnung des Spielplatzes kurz vor Pfings­ten haben wir ge­bührend gefeiert: Kinder der Kinder­gärten aus dem Einzugsgebiet haben Lieder gesungen und nach der Er­öffnung durch den 1.Bürgermeister den Spielplatz in Besitz genommen. Der ökumenisch-kirchliche Se­gen kam dazu und wir vom Netzwerk sorg­ten für das leibli­che Wohl und eine musikali­sche Umrahmung am Nachmittag. Es ist uns gelungen, unsere Wertschätzung für dieses kleine Naherholungsgebiet konkret zu vermit­teln und wir sehen, dass Wäldchen und Spiel­platz vermehrt durch die Bevölkerung ange­nommen und genutzt werden.

Gleichzeitig bleiben wir wachsam in Bezug auf die städtebaulichen Vor­haben von Sonthofen: das neue Verkehrskonzept sieht unter zukünftigen Maßnahmen eine „Spange“ von der Kreu­zung B 19 / B 308 zur Albrecht-Dürer-Staße vor, die den Abenteuerspielplatz durchschneiden würde. Die Position des Netzwerkes „Tannachwälde“ ist, dass dieser Abenteuerspielplatz für die Jugendlichen der nahen und ferneren Umgebung unbedingt erhalten werden muss.

Thea Kress und Peter Sardelic

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